Die Albertina Modern stellte vom 16.03.2022 bis zum 04.09.2022 „Ai Weiwei: In Search of Humanity“ aus. Mit einem wunderbaren Querschnitt aus seinem künstlerischen Werk bot das Museum einen umfassenden Einblick in das Schaffen eines der bekanntesten Künstler dieser Epoche. Von seinen Ursprüngen bis zum Leid der Flüchtlinge – auf eindrucksvolle Art war zu sehen, in wie vielen Bereichen der Künstler Ai Weiwei seine Kritik übte und dies kreativ einfing. Wir haben für all jene, die es verpasst haben, ein kleines Recap.
Über den Künstler Ai Weiwei haben wir bereits ausführlich berichtet. Sobald man aber vor seinen Werken steht, bekommt sein Schaffen völlig neue Dimensionen. Eine Zeitreise durch die Stationen des Künstlers zeigt, in wie viele Themen Ai Weiwei eingetaucht ist und präsentiert in einer Kombination aus Installationen, „Gemälden“ aus Legosteinen und Videos die tiefgreifende Retrospektive eines von Konflikten und Aktivismus geprägten Lebens.

Ai Weiwei lässt eine Urne der Han-Dynastie zu Boden fallen und dokumentiert dies mittels Fotografien – die Aussage: Warum soll ein Massenprodukt einer vergangenen Zeit plötzlich mehr von Wert sein? | Ai Weiwei dropping a han dynasty urn – 1995 Privatsammlung; Foto Albertina Wien Lisa Rastl; Reiner Riedler © 2022 Ai Weiwei
Beginnend mit popkulturellen Darstellungen des ehemaligen Diktators Mao Zedong und der Kritik an der Kulturrevolution, bekamen Besucher*innen alte chinesische Handwerkskunst, gepaart mit gesellschaftspolitischer Färbung zu sehen. Frühe Werke, die bereits von starkem Ausdruck geprägt sind. Sammlungen alter Relikte, erste Schritte moderner Techniken und der Beginn einer großen künstlerischen Karriere.
Die Darstellung der Gefangenschaft und die Kontakte zu Julien Assange und Edward Snowden
Weil Ai Weiwei stets in Konflikt mit der chinesischen Regierung stand beziehungsweise sich regierungskritisch äußerte, kam es 2011 zur Inhaftierung. Er stand dabei unter ständiger Beobachtung durch zwei Polizeibeamte. Dies verbildlichte der Künstler in den maßstabgetreuen Nachbauten namens S.A.C.R.E.D., die seinen Tagesablauf schildern.
Wer aber glaubt, nur China stünde in seiner Kunst in Kritik, der liegt vollkommen falsch. Denn der Überwachungsstaat regiert auch auf anderen Teilen dieser Welt. So finden sich auch Ausstellungsstücke zu den Kontakten mit Julien Assange und Edward Snowden. Ein beeindruckendes Projekt war dabei die Koproduktion mit dem Hacker Jacob Appelbaum. Panda to Panda (in Anlehnung an Peer-to-Peer) widmete sich dem Fall Edward Snowden.
Ai Weiwei packte geschredderte Kopien der Whistleblower-Dokumente sowie einen USB-Stick mit einer Micro-SD-Speicherkarte, auf dem Sicherungskopien der vertraulichen Dokumente zu finden sind, in Panda-Bären, die er wiederum in Museen auf der ganzen Welt verteilte. Um dem Vergessen und der Vernichtung des Wissens darüber zu entgegnen.
Laura Poitras dokumentierte den Schaffensprozess im Film „The Art of Dissent“ (2015)
Warum du die Ai Weiwei-Werke bei der nächsten Möglichkeit unbedingt sehen solltest
Neben seiner kritischen Ader hat Ai Weiwei jedoch stets auch den Sinn für Ästhetik und das Revolutionäre. So zeigen es seine Lego-„Gemälde“, aber auch die Skulpturen Circle of Animals / Zodiac Heads oder die Skulpturen aus Mamor. Hier drängt sich übrigens der Eindruck auf, dass auch Erwin Wurm mit seiner Werkserie ICONS auf den Pfaden Ai Weiweis wandeln wollte.
Die aktuelle Thematik der Fluchtbewegungen stellte er eindrucksvoll durch einen Mix aus Bild, Installation und Videos, die er vor Ort mit dem iPhone aufnahm, dar. Vielschichtig, provokant – manche meinten, gar zu provokant – und berührend zugleich. Damit schuf die Ausstellung einen hervorragenden Abschluss in der Jetztzeit.
Die Albertina Modern bot einen wunderbaren Raum für eine umfassende Zeitreise durch Ai Weiweis Leben. Ein beeindruckendes. Ein einzigartiges. Und vor allem ein Leben, das Werke hervorbrachte, die Zuseher*innen mit vielen Gedanken zurücklässt. Ai Weiwei ist der Beweis, dass Kunst doch auch in der Moderne noch viel bewegen kann. Dies sollte Grund genug sein, mindestens auf eine seiner Ausstellungen zu gehen.
Titelbild: Study of Perspective, Eiffel Tower 1999, Sammlung Essl | Foto Mischa Nawrata © 2022 Ai Weiei
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