Absurde Theorie: „Wahrheitspflicht ist der Wahrheit nicht zuträglich“
Wer sich die letzte ZDF Magazin Royal Sendung angesehen hat, den wird es nicht wundern, warum ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger diese Aussage traf. In der ORF Pressestunde hat sie „mit gewählten Worten“ Bedenken an der Wahrheitspflicht in Untersuchungsausschüssen gäußert. Die Wahrheitspflicht würde der Wahrheitsfindung nicht zuträglich sein. Mit einer Abschaffung dieser, so Köstinger, verhindere man erst diese „Schlammschlachten“.
Stellt euch vor, ihr müsstet vor Gericht mit keinen Konsequenzen rechnen, wenn ihr wissentlich – oder auch „unwissentlich“ – die Unwahrheit äußert und sich dies als Lüge herausstellt. Immerhin wäre es erlaubt, die Aussage einfach zu unterlassen. Sofern man sich selbst oder eine nahestehende Person damit belasten könnte. Aber grundsätzlich gilt die Wahrheitspflicht.
So auch in Untersuchungsausschüssen. Deshalb ist die Strategie der ÖVP im Zuge des Ibiza-Untersuchungsausschusses vor allem eines – Nichtwissen oder Vergessen. Damit aber die eigene Haut nicht nur geschützt werden kann, indem man nichts weiß oder vergessen hat, soll es laut Köstinger nun scheinbar auch erlaubt sein, sich mit Unwahrheiten zu wehren – ohne Konsequenzen. Kernaussage weiter: Das träge zur Wahrheitsfindung bei. Ein Paradoxon.
Dahinter steckt aber eine klare Strategie. Das Parlament zu diffamieren und somit auch dessen Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit zu schädigen. Obwohl sie sich für die Wichtigkeit von Untersuchungsausschüssen ausspricht – bewusste NLP Strategie -, untergräbt sie zugleich im nächsten Satz dessen Macht- und Wirkunssphäre. Das wäre ein weiterer Punkt zur Unterbindung rechtsstaatlicher Handlungsspielräume gegen Regierungen. Klar – immerhin steht ÖVP aktuell mehrfach unter Verdacht.
.@ElliKoestinger zur Abschaffung der Wahrheitspflicht im Untersuchungsausschuss. #pressestunde pic.twitter.com/CLkxZcGD0Y
— Daniel Djordjevic (@westhilf) May 9, 2021
„Für die türkise Kurz-Truppe und ihre Machenschaften wird es eng und das wissen sie ganz genau. Aus diesem Grund unternehmen sie alles, um unsere rechtsstaatlichen Kontrollinstrumente zu zerstören. Sie ahnen wohl auch, dass es bald einen Corona-Untersuchungsausschuss geben könnte.“, sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch in der aktuellen Presseaussendung.
Titelbild Credits: ORF / Pressestunde
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Ein Häupl für die Nacht - Wien braucht auch nach 16:00 ein geöffnetes Amt
Wer kennt das nicht? Man feiert eine gute Party, bis kurzerhand die Polizei aufkreuzt und spätestens beim dritten Besuch Anzeige erstattet, oder die Party auflöst. Im privaten Kontext erscheinen Gesetzeslage und Strafen noch tragbar, im gewerblichen Kontext sieht die Sache jedoch ganz anders aus. ClubbetreiberInnen, sowie VeranstalterInnen sehen sich in Großstädten mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert, die einerseits Kosten explodieren lassen, oder andererseits Events komplett unterbinden.
Gender Data Gap: Daten ignorieren Frauen systematisch
Die Erhebung von Daten ist einer der Grundpfeiler unserer modernen Welt. Blöd dabei ist nur, dass diese Erhebungen die Hälfte […]
Kröten lecken oder rauchen: was steckt hinter dem Trend?
Kröten lecken oder rauchen soll psychische Krankheiten heilen? Dem Sekret der Sonora-Wüstenkröte wird eine psychedelische Wirkung nachgesagt.
Filme sind für Männer – Was bedeutet Male Gaze und wieso ist er überall?
Ich dachte lange, ich mag einfach keine Filme. Vor allem männliche Freunde fanden das komisch. „Wie kann man sich nicht […]
"Red‘ ma Deutsch": Sprachexperte Ali Dönmez im Interview über die neue „Hausordnung“ in Wels
„Red‘ ma deutsch“ ist eine von fünf Regeln, welche die FPÖ regierte Stadt Wels im Rahmen einer „Hausordnung“ kürzlich erlassen […]
WIENER STYLE-Session – part 4
Aufgrund der Beliebtheit unserer ersten Wiener Style-Session haben wir uns nun zum dritten Mal eine Kamera geschnappt und uns in […]









