Nachdem drei schwarze Spieler die Elfmeter für England verschossen hatten und England das EM-Finale verlor, ging auf Twitter eine rassistische Hetzjagd los. Auch wenn die Mehrheit der Fußballfans nicht so handelt: der Fußball hat ein Rassismus-Problem.
Für die Fußball-Nation England war der Einzug in das EM-Finale 2021 historisch. Denn so weit schaffte es die Mannschaft bisher nie bei einer Europameisterschaft. Der größte Erfolg der englischen Nationalmannschaft war der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1966. Dass es England heuer bis ins EM-Finale schaffte, fühlte sich für die Fans schon fast an wie ein Sieg. Nach dem gewonnenen Halbfinale waren sie stolz. So stolz, es wäre egal, wie das Finale ausgeht.
Doch es sollte anders kommen. Das EM-Finale England gegen Italien war ein ebenbürtiges Spiel. Sowohl die italienische als auch die englische Nationalmannschaft zeigte sich von ihrer besten Seite. Nachdem die schwarzen Spieler Jadon Sancho, Marcus Rashford und Bukayo Saka die Elfmeter für England verschossen hatten und England verlor, ging in den Sozialen Medien eine rassistische Hetzjagd los.
Rassistische Vorfälle auf Twitter und in den Straßen
Auf Twitter trendete das N-Wort. Nachdem Twitter den Hashtag in #SayNoToRacism umgewandelt hatte, riefen UserInnen dazu auf #SayYesToRacism in die Trends zu bringen. Die Spieler Sancho, Rashford und Saka wurden auf ihren Social-Media-Kanälen rassistisch beschimpft.
Doch die rassistischen Vorfälle ereigneten sich nicht nur online. Im Laufe des Abends häuften sich die Berichte über Gewalt gegen Schwarze. Schwarze Bürgerrechtsorganisationen riefen Schwarze BritInnen dazu auf, das Haus nicht zu verlassen. Und das alles wegen eines verlorenen EM-Finales.
„Wenn wir gewinnen, sind wir Heimat. Wenn wir verlieren, Ausländer.“
Das sei ein bekanntes Phänomen, melden sich viele Fußballer zu Wort. Solange sie Tore schießen und gewinnen, werden sie als Teil der Nation anerkannt. Sobald sie enttäuschen, werden die Spieler auf ihren Migrationshintergrund reduziert.
So meldeten sich unter anderem die Fußballer Mesut Özil, Karim Benzema und Romelu Lukaku mit ähnlichen Erfahrungen. Die rassistischen Vorfälle nach dem heurigen EM-Finale können also nicht als Einzelfälle abgetan werden.
Credits: alexasearth (Screenshot Instagram-Story)
Klar hat sich ein Großteil der Fußballfans nicht rassistisch geäußert. Einige zeigten sich auch solidarisch in den sozialen Medien. Jedoch zeigen Vorfälle wie diese, dass der Fußball teilweise ein Rassismus-Problem hat, das es zu bekämpfen gilt.
Vielleicht sollte sich die UEFA bei der nächsten Europameisterschaft nicht so lange den Kopf zerbrechen, ob und wo sie Regenbogenflaggen einsetzt, bis es dann eh nicht mehr glaubwürdig erscheint. Vielleicht sollten die UEFA und ähnliche Vereine in Zukunft Aufklärungsarbeit für ihr Publikum leisten und eindeutige, glaubwürdige Zeichen gegen Rassismus und jegliche Form der Diskriminierung setzen.
Übrigens: kennt ihr schon Wettodrom? Ein äußerst amüsanter Live Ticker mit Entertainment Show, den ihr euch als echte Fußballfans gönnen solltet.
Titelbild Credits: Shutterstock
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