De Do Do Do, De Da Da Da sang die Band Police (rund um den Sänger Sting) Anfang der 1980er Jahre. Wer glaubt, dass es nicht mehr dümmer bzw. einfacher geht, der irrt. Computerwissenschaftler*innen haben nämlich festgestellt, dass die Lyrik der Musik, die wir hören, in ihrer Komplexität abgenommen hat. Und das innerhalb verschiedener Musikgenres, aber auch im Bereich des Rap. Doch was sind die Gründe dafür?
Unsere Musik ist simpler und repetitiver geworden
Einige Menschen sind bestimmt überrascht darüber, andere vielleicht eher weniger, aber die Computerwissenschaftlerin Eva Zangerle (Uni Innsbruck) hat gemeinsam mit Kollegen aus Wien, Linz, Graz und Nürnberg eine Studie veröffentlicht, deren Titel die Erkenntnis daraus ziemlich treffend zusammenfasst: Liedtexte sind im Lauf der letzten fünf Jahrzehnte simpler und repetitiver geworden.
2.400 Songs von 1970 bis 2020 wurden analysiert
Der analysierte Zeitraum der Studie erstreckt sich von 1970 bis 2020. Die analysierten Songtexte wurden von der Plattform Genius.com bezogen. Dabei handelt es sich um eine sehr beliebte Website, die es ihren Usern ermöglicht, alle Arten von Texten, aber vor allem Songtexte, hochzuladen und zu erklären.
Bestimmte Passagen können dabei angeklickt werden und werden gesondert erklärt oder interpretiert. Man kann sich denken, dass seit dem Launch der Webseite im Oktober 2009 so einiges an Songtexten hochgeladen wurde. Um die 12.000 englischsprachige Songs hat das Forscher*innen-Team unter die Lupe genommen.
Nach dem Zufallsprinzip wurden – laut den Angaben von Zangerle – 2.400 Songs aus den Genres Rap, Country, Pop, R&B und Rock ausgewählt und analysiert. Dabei konnte festgestellt werden, dass in jedem einzelnen dieser Genres die Texte einfacher geworden sind. Besonders beim Rap und im Rock ist das Vokabular geschrumpft. Was natürlich verwundet, ist vor allem beim Rap der Text, ja gewissermaßen das Fundament des Ganzen.
Mehr Emotionen, negativer und zorniger
Was bei der Analyse vor allem ins Ohr stach war, dass im Rap die Texte mit der Zeit um einiges emotionaler geworden sind. Die Genres R&B, Pop und Country wurden dabei in ihrem Ton immer weniger positiv.
Darüber hinaus und trotz der unterschiedlichen Musikrichtungen haben alle Genres sogar etwas ganz bestimmtes gemeinsam: sie alle wurden über die Jahrzehnte mehr und mehr zorniger.
Die Methode
Jeder einzelne Song wurde dabei anhand leicht quantifizierbarer Merkmale charakterisiert. Dazu gehören die Anzahl der Wörter mit mehr als drei Silben, die Anzahl ungewöhnlicher Wörter und die Häufigkeit, mit der der Songtitel im Liedtext vorkommt.
Im Fokus der Wissenschaftler*innen standen demnach Wortschatz, Lesbarkeit, Komplexität und die Anzahl der wiederholten Zeilen. „Die Sprache wurde einfacher, was sich sowohl an der Lesbarkeit als auch an der Anzahl der komplexen Wörter zeigt. Außerdem wiederholen sich ganze strukturelle Komponenten wie der Refrain, aber auch einzelne Zeilen deutlich häufiger.“, erklärt Zangerle gegenüber dem Kurier. Doch warum ist das so?
Songs immer simpler: warum eigentlich?
Ein Grund dafür, warum die Songtexte immer einfacher und dümmer werden, ist laut Zangerle der, dass Lieder immer mehr als Hintergrundmusik zum Einsatz kommen und zufällig gestreamt bzw. konsumiert, anstatt bewusst gekauft und als eigenständiges Werk rezipiert werden. Darüber hinaus tragen auch die veränderten Vertriebskanäle einen Großteil zu dieser Simplifizierung bei.
„Vor 40 Jahren hat man sich eine Schallplatte gekauft. Jetzt gibt es Streamingplattformen, wofür Musik auch ganz anders produziert wird. Das Musikstück muss in den ersten 10 bis 20 Sekunden überzeugen, sonst wird zum nächsten Lied gewechselt.“, erklärt die Studienleiterin weiter.
Rockfans mit mehr Wertschätzung den Klassikern gegenüber
Dies sind jedoch nicht die einzig spannenden Erkenntnisse der Studie. Die Analyse der Aufrufe der Plattform Genius verdeutlichte neben des Niveauabfalls der Texte auch die Tatsache, dass ältere Rocksongs häufiger aufgerufen werden als neue.
Im Genre Country verhält es sich umgekehrt, da suchen die Fans eher nach neuen Musikstücken. Die Wertschätzung gegenüber Klassikern ist bei Hörenden des Rocks somit viel ausgeprägter als bei Fans von Rap, Rock und Country. Und angesichts dieser Vereinfachung der Musik, sollten wir alle vielleicht auch damit anfangen, die älteren und komplexeren Werke mehr zu schätzen, als wir es bis jetzt immer getan haben.
Du stehst auf geile Musik, zu der sich richtig gut abgehen lässt? Dann besuche doch unseren Eventkalender, da ist alles dabei von total schwachsinnig bis grenz-genial komplex.
Titelbild © Shutterstock
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Hurrikan Milton verwüstet USA und Trump verbreitet Fake News
Hurrikan Milton. Während eine ganze Nation gegen die Auswirkungen kämpft, verbreitet Donald Trump Fake News.
Nikotin: „Host du wos kennst du wem - 1010 ned schlafen gehen.“
Nikotin betritt als neuer österreichischer Artist die Manege der Popkunst. Der Wiener Musiker zeigt in seiner Debütsingle 1010 eine poplastige […]
„Sieg der Volkspartei“: Wie sich OE24 bei der ÖVP anbiedert
Das Wochenblatt „Falter“ obsiegte in einem gerichtlichen Verfahren in zwei von drei Streitpunkten gegen die neue Volkspartei. Diese warf dem […]
"Die Anatomie eines Falls" mit Sandra Hüller
Ein tragischer Mord, eine Verdächtigte, ein einziger Zeuge. Ein fulminantes Drama, in dem Beziehungen zwischen Mutter, Sohn und Ehemann infrage […]
Der Herr der Ringe Amazon-Serie: die schlechteste oder teuerste Serie aller Zeiten?
Lange hat man darauf gewartet. Nun ist die heiß erwartete und von vielen auch ersehnte Amazon-Serie endlich da. Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht. Und was man jetzt tun sollte ist folgendes: diese Serie einfach ungesehen an sich vorbeiziehen lassen. Denn alles was diese Serie ist, ist teuer. Sonst nichts.
Gesichtserkennungssoftware bringt unschuldige hinter Gitter
Durch einen brisanten Fall im US-Bundesstaat Louisiana sehen sich Kritiker*innen der Gesichtserkennungssoftware weiter bestätigt.







