Rasanter Anstieg der Schönheitseingriffe. Mediziner sehen Masken und Homeoffice als Hauptgründe für den Beauty-Boom und bemerken, dass gerade in Corona-Zeiten der Wunsch nach Selbstoptimierung größer wird. Doch während die einen immer schöner werden, warten die anderen immer noch auf einen Termin für ihre längst überfälligen Operation. Eine Welt, zwei Gesichter.
Verlierer und Gewinner
Der Lockdown. Er belastet die Seele und die Nachfrage nach psychologischen Behandlungen steigt. Sowie das Menschenleben hat sich vor allem die Wirtschaft in vielen Bereichen stark verlangsamt. In einigen Branchen kam diese sogar komplett zum Erliegen. Während viele Unternehmen, vor allem die kleinen, auf ganzer Linie Verluste schreiben, gibt es natürlich, wie so oft, einige wenige Gewinner. Diese fahren Profite ein, so hoch, wie noch nie zuvor.
Die Loser der Krise, anstandshalber erwähnt. Fluglinien, Hotels, Reiseanbieter, Kreuzfahrtunternehmen, Casinos. Aber auch Gebäude im gewerblichen Bereich. Einkaufszentren werden „dank“ Onlinehandel immer unattraktiver. Auch Bürogebäude bleiben aufgrund des Trends zu Home-office leer. Den Verlierern Gegenübergestellt die altbekannten Gewinner. Amazon (Onlinehandel), Zoom (Videoconferencing-Plattform), aufgrund des starken Zu-Hause-Seins auch der Streamingdienst Netflix und Essenszusteller. Aber vor allem Supermärkte konnten ein massives Wachstum verzeichnen. Ein nicht ganz so augenscheinlicher Absahner der Lockdownzeit ist jedoch die Beauty-Branche in Form der ästhetisch-plastischen Chirurgie.
Beauty-OP Boom im Lockdown
Nicht gerade Schmeichelhaft, klar, doch der Narzissmus gewinnt. Nicht nur in der Karriere. Vor allem die ästhetische Medizin lässt dieses Phänomen etliche Gewinne erzielen. Innere Werte? Der Trend ist eindeutig: Die Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen steigt seit Beginn der Krise spürbar an. So verzeichnet die ästhetische Medizin in den letzten Monaten einen rasanten Anstieg. Tendenz steigend.
Masken, Homeoffice, Facelift und Co
Unter den Eingriffsbereichen rangieren vor allem gesichtschirurgische Eingriffe ganz oben. Der Grund? Die Masken! Da durch diese ein beträchtlicher Teil optischer Informationen wegfällt (ein Großteil des Gesichts!) blicken sich die Menschen noch mehr in die Augen als sonst. Jede Unregelmäßigkeit bekommt so natürlich mehr Gewicht. Auch relevant ist, dass aufgrund der vermehrten Anzahl an Videokonferenzen die Menschen häufiger mit ihrem eigenen Spiegelbild konfrontiert sind. Somit nehmen sie ihr äußeres Erscheinungsbild bei den Online Meetings oft kritischer wahr.
Lockdownbedingt hat man also mehr Zeit, sich mit dem eigenen Äußeren zu befassen. Somit immer häufiger: der Wunsch nach einer Straffung im Lidbereich für eine jüngere Augenpartie oberhalb der MNS-Masken Region. Ein verstärktes Interesse an Faceliftings und Lidstraffungen konnte daher in den letzten Wochen von etlichen Fachärzten beobachtet werden. Der Besuch in einem der Nagelstudios in Wien als Beauty-Investment ist also lange schon zu wenig.
Schönheit vor Alter
Ein weiterer Maskeneffekt. Da post-operative Schwellungen, Rötungen und etwaige blaue Flecken von den MNS-Masken verdeckt werden, steigt auch die Nachfrage nach Lippenkorrekturen. Aufgrund von Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen fällt eine gesellschaftliche Abwesenheit nach der OPs natürlich weniger auf. Während der Homeoffice-Tätigkeiten will die Zeit natürlich optimal für Eingriffe genutzt sein.
Auch oder immer noch ganz trendy: die Fettabsaugung. Im Lockdown bewegen sich viele Menschen einfach zu wenig und legen an Gewicht zu. Die einfachste Lösung im Blick, entscheiden sich so manche dann doch lieber für das Skalpell als für die Laufschuhe. Und so buttert man das Urlaubsgeld in eine OP.
Auch interessant: viel mehr Berufstätige als vor dem Lockdown entscheiden sich für einen Eingriff. Ein Zuwachs, der den Rückgang des über 65-jähigen OP-Klientels klar übersteigt. Dieses bleibt wegen der Angst einer Corona-Ansteckung den Praxen eher fern. Wer die Zeit der Masken und des Home-office für einen Beauty-Eingriff nutzen will, muss jedoch schnell sein. Die meisten Kliniken sind bereits seit Wochen für Wochen ausgebucht.
OPs – des einen Freud, des anderen Leid
Die steigenden Zahlen der Beauty-Eingriffe machen im Lockdown-Zusammenhang irgendwie Sinn. Verwundert aber auch sehr. Liest man doch auf so einigen Krankenhaus-Sites die Absage von nicht sofort erforderlichen Operationen, Terminen und Befundbesprechungen.
Auch können vermehrt keine konkreten Aussagen zu Wartezeiten auf Operationstermine getätigt werden. Patienten und Patientinnen, die sogar einen Termin (für eine stationäre Aufnahme) vereinbart haben, bekommen einen neuen oder deren Eingriff wird sogar auf unbestimmte Zeit verschoben.
Die zu langsam sinkenden Coronavirus-Zahlen, vermutlich gekoppelt mit der Angst einer Verbreitung neuartiger Mutationen, führen immer wieder zu Einschränkungen und zum Ausfall von planbaren Operationen für zahlreiche PatientInnen. Wohl gemerkt vor allem solche, die sich nicht aufgrund ästhetischer Optimierungen unters private Messer legen.
Durch Lockdown verursachte Kollateralschäden verheerend❗
Herzinfarkte: 12% mehr Todesfälle,
50.000 verschobene Operationen,
leichte Schlaganfälle 23% weniger Meldungen, schwere Fälle 17%https://t.co/r4uPnMdKqe pic.twitter.com/S0wkZZ5wsR— Domi / Swiss Ark (@SwissArk) February 6, 2021
Wie schon Anfang letzten Jahres halten die Spitäler ihre Betten leer, um erneut für mögliche Corona-Patienten gerüstet zu sein. Die Leidtragenden sind wieder einmal die Patienten, deren Operationen und Behandlungen als „aufschiebbar“ gelten. Irgendwie verständlich. Aber zeigt man sich diesbezüglich vielleicht wieder ein wenig zu besorgt und ängstlich?
Die Geschichte wiederholt sich?
Österreichs Gesundheitssystem ist im Notfallmodus. Alle „aufschiebbaren“ Operationen und Behandlungen werden gestrichen. Man versucht viele Betten freizubekommen – um sich auf einen möglichen Andrang der Corona-Patienten vorzubereiten.
Wie schon im März 2020 blüht dasselbe Szenario. Auch damals wurde die Anzahl der PatientInnen teilweise bis auf fast die Hälfte reduziert. Nicht wegen der hohen Corona-Fall-Zahlen wohlgemerkt. Sondern aufgrund eines befürchteten Ansturms.
In absoluten Zahlen waren damals (Stand 25.3.2020) von den 2.500 Intensivbetten 90 mit Corona-Patienten belegt. Das waren 3,6 Prozent. Und heute? Stand heute (9.2.2021) beträgt die Auslastung der Intensivbetten für Covid-19 Patienten in Österreich gesamt 32 Prozent. Die Auslastung der Normalbetten liegt sogar nur bei 24 Prozent.
Verschobene Termine
Damals wie heute steht das Vorgehen der Spitäler unter Kritik. Für viele ist es nur schwer vertretbar, die Betten leer zu lassen, um sich auf Ausnahmesituation vorzubereiten, die so drastisch womöglich nicht eintreffen werden. Der Preis: die Aufschiebung von Operationen, was oftmals auch nicht optimal gehandhabt wurde.
Auch die OP eines unserer Redakteure wurde verschoben, obwohl diese lange schon überfällig war. Verschoben. Und das für ein halbes Jahr. Von einer Woche auf die andere musste dieser dann spontan im Spital antraben und durfte sich, spät aber doch, operieren lassen. Natürlich gab und gibt es auch schwerwiegendere Fälle.
Die Auswirkungen dieses Auf-Nummer-Sicher-Gehens sind verheerend. Viele HerzpatientInnen trauen sich aus Angst vor einer Ansteckung nicht mehr zum Arzt. Fazit: schlimme Langzeitfolgen. Aus Angst scheuen sich sogar viele den Notruf zu wählen, selbst wenn sie einen Herzinfakt erleiden. Im Zusammenhang mit Krebs lassen verschobene Operationen die Tumore ungestört wachsen. Ergebnis: deutlich mehr Menschen mit höheren Tumor-Stadien als vor der Pandemie. Auch nach erlittenen Schlaganfällen suchten weniger Patienten um Hilfe im Krankenhaus, belegt eine deutsche Studie.
Zwei-Klassen Gesellschaft
Narzisstische Beauty-OP auf der einen Seite. Die Verschiebung medizinsicher Eingriffe auf der anderen. Was auch immer jetzt richtig und angebracht ist. Eine Erkenntnis tritt in diesem OP-Management Tohuwabohu wieder deutlich zu Tage. Die zwei Klassen Gesellschaft.
Während die einen sich freiwillig unters Messer legen, um die kleine Misere ihrer Homeoffice Existenz ausgelichen zu können, haben andere ihre Jobs gleich ganz verloren. Und viele weitere warten immer noch auf eine, vielleicht nicht sofort erforderliche und lebensnotwendige Operation. Aber doch auf einen Eingriff, der ihr Leben ein wenig lebenswerter machen würde. Jenseits narzistisschen Verlangens und auf einer ausschließlich praktischen Ebene. Und wie bei den Unternehmen und Betrieben spaltet Corona die Gesellschaft weiterhin in Gewinner und Verlierer.
Titelbild Credits: Shutterstock
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