Eine narzisstische Störung kann, laut dem Experten Reinhard Haller, in fünf entlarvende Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen eingeordnet werden, durch welche der Narzissmus beschrieben werden kann. Wir haben uns diese für euch angesehen.
Ursachen des Narzissmus
Die genauen Ursachen einer narzisstischen Störung (wie zum Beispiel den verdeckten Narzissmus) sind natürlich komplex. Daher ist bei jeder und jedem Einzelnen, der oder die daran leidet, der Narzissmus nicht genau durchschaubar. Laut Reinhard Haller, Narzissmus-Experte, sind die wesentlichen Risikomomente jedoch auf zwei Faktoren in der Kindheit reduzierbar:
- auf ein Übermaß an emotionaler Zuwendung
- auf einen völligen Mangel an emotionaler Zuwendung.
Wird ein Kind unter permanenten Jubelzurufen zum „Star“ erzogen, entwickelt es eine narzisstische Grundhaltung. Diese wird dann Teil seiner Persönlichkeit. Bleibt dieses psychische Ur-Bedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung jedoch unerfüllt, entwickelt dasselbe Kind geradezu eine Gier nach narzisstischer Bestätigung.
Narzissmus als Falle
Obwohl Narzissmus im Allgemeinen als Problem angesehen wird – man denke nur an die Eskapaden des Parade-Narzissten Donald Trump, der von Reinhard Haller sogar als Groß-Narzisst betitelt wurde. – so ist dieser für eine jede Karriere jedoch auch sehr förderlich. Warum? Einige der narzisstischen Grundzüge, wie zum Beispiel Begeisterungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen oder auch ein großes Selbstvertrauen sind für jede Karriere natürlich mehr als hilfreich.
Und zu Beginn bringt so ein Lifestyle oder so eine Arbeitseinstellung natürlich eine Menge motivierender Energie mit. Wenn der narzisstische Leader nach einigen Jahren jedoch immer weniger teamfähig ist – weil andere Meinungen und konstruktive Kritik einfach nicht mehr gehört wird und Mitarbeiter*innen entwertet werden, kommt es zum Absturz. „Narzisstische Chefs sind für einen Betrieb in der Anfangsphase von Vorteil, nach etwa 10 Jahren überwiegen aber die Nachteile.“, erklärt Reinhard Haller.
Die 5 großen E des Narzissmus – nach Reinhard Haller
Wie schon zu Beginn erwähnt, kann eine narzisstische Störung in fünf Verhaltensweisen eingeordnet werden. Um Narzisst*innen besser entlarven zu können, haben wir diese für euch aufgelistet:
Egozentrik
Egozentrik meint die Unfähigkeit des Narzissten oder der Narzisstin, zur Abwechslung einmal die Single-Shooter-Mode zu verlassen, die Perspektive der Mitmenschen einzunehmen und sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen. Nach dem Schweizer Entwicklungspsychologen Jean Piaget führt der (kindliche) Mangel an einer Unterscheidung zwischen dem Ich und der äußeren Realität zu einer Vorrangstellung des eigenen Standpunktes. Dieser prägt im weiteren Verlauf das gesamte Wahrnehmen, Empfinden, Denken und Handeln.
Eigensucht
Die Eigensucht ist eine Form des Egoismus, der rücksichtslos ausschließlich persönliche Interessen verfolgt. Da das eigene Ego über alles andere gestellt wird, ist die selbstsüchtige Person süchtig danach, nur ihr eigenes Leben zu füllen. Diese saugt ihre Mitmenschen aus und ist darauf aus, dass alle nur für ihn oder sie da sind und ihm zuarbeiten. Alles ist für den eigensüchtigen Menschen bestimmt. Er oder sie gibt nichts, sondern nimmt nur.
Empfindlichkeit
Empfindlichkeit ist beim Narzissmus sehr stark ausgeprägt. Von Kindheit an ist der oder die Narzisst*in von panischer Angst geplagt, nicht genug zu sein und zu wenig an emotionalem „Futter“ zu erhalten. Aus dieser Angst heraus wehrt sich der oder die Narzisst*in permanent gegen eine mögliche Missachtung. Jede Kritik, auch noch so berechtigt und sachlich, wirkt auf diese Menschen wie eine Erschütterung des innersten Ich.
Empathie-Mangel
Empathie ist die Fähigkeit, eine Brücke zum anderen Menschen zu schlagen, sich ohne Vorbehalte in diesen hineinzuversetzen und an den Gedanken und Gefühlen des andern aktiv teilzuhaben, mitzuleben. Empathie ist die Grundvoraussetzung für eine gelungene und gute menschliche Kommunikation.
Der Empathie-Mangel der Narzissten* oder Narzisstinnen entwickelt sich aus einer egozentrischen Weltsicht. Verständlich, wenn alles immer nur Ich ist und war, inwiefern ist dann ein anderer Mensch genauso existenzberechtigt wie ich selbst, oder hat eine genauso wertvolle Meinung wie ich selbst. Wo nur das eigene Ich zählt, zählt alles andere natürlich gar nicht.
Entwertung (anderer)
Das letzte E, die Entwertung anderer, beruht auf einem speziellen psychischen Mechanismus. Im Gegensatz zum normalen narzisstischen Agieren, welches der eigenen Aufwertung dient, bleibt der Entwerter* oder die Entwerterin so wie er oder sie ist, ein höchst durchschnittlicher Mensch.
Da diese Person aber immer noch den anderen überlegen sein möchte, was aufgrund der durchschnittlichen Leistungen, Karriere usw. aber nicht der Fall ist, schafft der entwertende Mensch sich eine herausragende Position eben dadurch, dass er die anderen niedermacht. Er oder sie versucht sich selbst aufzuwerten, indem er oder sie andere abwertet. Im Gegensatz zu den anderen Narzisst*innen ist diese*r Entwerter*in nicht einmal motivierend oder unterhaltsam.
Fazit
Laut Reinhard Haller vermittelt der Narzissmus, einer Droge ähnlich, keine echten Emotionen, sondern nur berauschende Gefühle. Der Narzisst oder die Narzisstin berauscht sich an Bewunderung und Lob. Davon kann er oder sie nie genug bekommen. Das Empfinden ist dabei jedoch nur auf die großartige Fassade reduziert, auf den Schein. Das Innenleben spielt für den narzisstischen Menschen keine Rolle. Die fünf E von Haller sind in diesem Sinne ein guter Ansatzpunkt, um Narzisstische Typen schon früh zu erkennen.
Titelbild © Shutterstock
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