Am 10. Juni 2026 kündigten die Veranstalter über Social Media an, dass die Game Cityheuer nicht stattfindet. Acht Monate zuvor, vom 10. bis 12. Oktober 2025, waren mehr als 87.000 Menschen ins Wiener Rathaus gekommen, der höchste Wert seit dem Start der Messe im Jahr 2007. Anfang Mai war noch eine Neuauflage als Open-Air-Format am Rathausplatz angekündigt worden.
Dahinter steht ein Wechsel in der Trägerschaft. Der Verein WIENXTRA, Mitbegründer der Messe neben der Stadt Wien, hat sich zurückgezogen und das Festival an die Eventagentur MICE AND MEN übergeben. Es gehe um einen verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Ressourcen in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, erklärte die Agentur. Zurückkommen soll die Game City 2027, zum zwanzigjährigen Bestehen.
802 Millionen Euro für Videospiele und E-Sport
Nach dem Global Entertainment und Media Outlook von PwC, dessen Österreich-Auswertung im September 2025 vorgestellt wurde, gaben Konsumenten hierzulande 2024 802 Millionen Euro für Videospiele und E-Sport aus. Am Publikum liegt es also nicht. Die Milliardengrenze dürfte dieser Prognose zufolge 2028 fallen.
PwC führt das Segment als Wachstumstreiber, weist in der eigenen Segmenttabelle für 2023 auf 2024 aber nur ein Plus von einem Prozent aus. Getragen wird das Wachstum von Casual Gaming am Smartphone und von Werbung, die innerhalb der Spiele ausgespielt wird, also von Formaten, die mit einer Messe im Rathaus wenig zu tun haben.
Tarek Sharif von MICE AND MEN benannte im Juli gegenüber dem Branchendienst GamesWirtschaft ein Problem, das über die Absage hinausreicht. Immer weniger Firmen hätten eine Niederlassung in Wien.
149 Unternehmen und 77 Prozent schlechte Standortnoten
Wie viel von diesen Ausgaben im Land bleibt, zeigt eine andere Erhebung. Für die Game Development Studie 2024 befragte das Industriewissenschaftliche Institut im Auftrag des Fachverbands UBIT der Wirtschaftskammer die heimischen Entwickler, ausdrücklich nur jene, die keine Glücksspiel-Games herstellen. Am Bildschirm verschwimmt diese Grenze, weil Spielmechanik und Bezahlvorgang gleich aussehen. Die Einordnung übernehmen dort Vergleichsportale. Beispielsweise beruhen vertraubare österreichische Online Casinos von Casino Guru auf einem Punktesystem aus offenen Beschwerden und Vertragsklauseln.
Seit Anfang August 2026 verkauft das genannte Portal den bewerteten Betreibern automatisierte Berichte darüber, wie sich deren Indexwert heben lässt. Bewertung und Geschäft mit den Bewerteten liegen damit in einer Hand. Nach eigenen Angaben hat es seit 2019 mehr als 65.800 Beschwerden bearbeitet und über 60 Millionen US-Dollar an Spieler zurückgeholt, Stand März 2026. Am häufigsten sei es zuletzt um verzögerte Auszahlungen, Identitätsprüfungen und Selbstsperren gegangen.
Der Endbericht weist für 2023 folgende Werte aus.
- 149 aktive Entwicklungsunternehmen, 81 davon in Wien
- 1.080 Beschäftigungsverhältnisse
- 92,8 Millionen Euro Umsatz, 2017 waren es 32,7 Millionen
- 77 Prozent der Befragten bewerten den Standort Österreich als schlecht oder sehr schlecht
Die Diskrepanz zu den 802 Millionen erklärt sich über den Absatzmarkt. Österreichische Studios leben nicht von österreichischen Spielern, sondern vom Export, und ein Befragter formuliert das in der Studie so, dass Spiele international verkauft würden und der heimische Markt in Zahlen fast vernachlässigbar sei. Ein kausaler Zusammenhang zwischen beiden Werten besteht nicht. Sieben von zehn Befragten stimmten zudem der Aussage zu, qualifizierte Entwickler sähen im Ausland mehr berufliche Möglichkeiten. Den Standort verlegen oder schließen wollen trotzdem nur fünf Prozent der Betriebe. 79 Prozent der Beschäftigten sind Männer, ein Missverhältnis, das sich durch die gesamte Gaming- und eSport-Szene zieht.
Von Sproing zu Purple Lamp und weiter zu Embracer
Größere Studios hat das Land schon gehabt. Max Design in Schladming baute die Anno-Reihe auf, Rockstar Games unterhielt eine Niederlassung in Wien. Sproing Interactive war mit über hundert Beschäftigten der größte Arbeitgeber der heimischen Branche, bis das Wiener Unternehmen 2016 Insolvenz anmeldete und ein Jahr darauf schloss.
Aus dieser Belegschaft entstand 2018 Purple Lamp. Das Studio sicherte sich die Rechte an der Marke Sproing, entwickelte drei Jump-and-Run-Titel mit SpongeBob-Lizenz und 2024 die Neuauflage von Disney Epic Mickey.
Im November 2020 kaufte die schwedische Embracer Group das Unternehmen und ordnete es THQ Nordic unter. Dieser Publisher sitzt ebenfalls in Wien und ging aus dem insolventen Anbieter JoWooD hervor. Das sichtbarste Wiener Studio ist damit Teil eines schwedischen Konzerns.
Was das für die heimische Wertschöpfung bedeutet, hängt davon ab, wo die Grenze gezogen wird. Die Arbeitsplätze liegen in Wien, die Entscheidungen über Projekte und Budgets nicht. Wie weit das trägt, zeigte sich, als Embracer im Zuge seines Sparprogramms mehrere europäische Studios schloss, darunter Piranha Bytes in Deutschland.
Mi’pu’mi Games in Wien wirkte an internationalen Produktionen als Co-Entwickler mit, also an Titeln, deren Hauptverantwortung bei anderen Häusern liegt. Broken Rules, ebenfalls aus Wien, entwickelt und veröffentlicht eigene Spiele, darunter Old Man’s Journey. An diesem Unterschied hängt, wem die Rechte an einem fertigen Titel gehören.
28.700 Besucher beim Esports Festival im Juli
Am 11. und 12. Juli 2026 fanden das Esports Festival und das Spielefest Wien gemeinsam im Austria Center Vienna statt, im fünften Jahr des Festivals. Die Veranstalter meldeten anschließend 28.700 Besucher. Angekündigt worden waren mehr als 30.000. Der Tageseintritt kostete 20 Euro. Im League-of-Legends-Länderspiel trafen erstmals die offiziellen Nationalteams Österreichs und Deutschlands aufeinander. Publikum vor großen Bildschirmen zog im selben Sommer auch das Public Viewing im Garten auf der Spenadlwiese an, wo die Fußball-WM auf zwei LED-Wänden lief.
Titelbild © Pexels
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