Masturbation ist etwas Gutes, doch kann in Extremen auch negative Folgen haben. Begriffe wie „Pornosucht“ und „No-Fap-Challenge“ haben wir alle schon einmal gehört, doch was ist das genau und wer ist davon betroffen?
Potenzprobleme, keine Konzentration, Antriebslosigkeit, Depression: eigentlich denken wir bei dieser Kombination eher an ältere Leute. Aber nein, es sind die Folgen eines in unserer Generation verdammt oft vorkommenden Problems – der Pornosucht. In unserem Beitrag über Pornosucht der Gen Z erfährt ihr noch genaueres über die Ursprünge des Problems.
Pornosucht bleibt nach wie vor ein Tabu-Thema ist – jeder macht es, aber niemand redet darüber. Leider gibt es bei dieser (zweit-)beliebtesten Art des Stressabbaus auch zwei Schattenseiten. Porn addiction is real – ich sag´s euch! Die Folge davon ist nicht selten ein gestörtes Sexualverhalten. Und zum anderen leiden die Darsteller:innen sehr unter den Bedingungen, weshalb ihr bei Pornographie auf feministische Alternativen zurückgreifen solltet.
Pornosucht als zunehmendes Problem
Zum ersten Mal erfuhr ich von diesem Problem, als mir ein gerade mal 19-jähriger Freund erzählt hatte, dass er es nicht schafft, mit seiner neuen Freundin zu schlafen: „Es ist einfach außer Kontrolle geraten, das mit den Pornos, den ganzen Titten und Ärschen, es ist einfach zu viel und ich kann nicht aufhören. Und dann liegt ein nacktes Mädchen vor mir und ich spüre nichts. Mit der Hand ist es ja auch viel schneller..“
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Schuld an dem Ganzen ist – suprise suprise – das Internet. Mit dem Zugang zum Internet, den beinahe jede:r von uns als Kind oder Jugendlicher unbeschränkt bekommt, kam auch der Zugang zu Millionen von Bildern und Videos. Diese überschwemmen unser Hirn täglich mit neuen Reizen. Besonders im jungen Alter haben manche Bilder eine extreme Auswirkung auf unsere Denkweise und später auch auf den Zugang zu Sex.
Doch das, was uns als Kind noch schockiert hat, ist mit dem was sich Kinder heutzutage schon im Alter von 10 Jahren auf ihren Handys zeigen, nicht mehr vergleichbar. Und da fängt das Problem an: Das Gehirn wird immun auf bestimmte Reize. Der Grund dafür ist der sogenannte „Coolidge Effekt“.
Der Coolidge Effekt und seine Folgen
Einfach erklärt: Wenn ein heterosexueller Mann eine nackte Frau sieht, wird im Gehirn Dopamin (Glückshormon) ausgeschüttet. Kommt es zum Orgasmus, wird noch mehr Dopamin ausgeschüttet. Das Belohnungszentrum des Gehirns aktiviert sich infolgedessen. Mit jedem Klick auf ein neues Video und neue nackte Frauen wiederholt sich das Ganze und es entsteht ein Suchtverhalten.
Klick -> Dopamin, Klick -> Dopamin, Klick -> Dopamin. Doch das wirklich Schockierende daran ist, dass wir diesen Vorgang endlos wiederholen können und das Gehirn sich schnell an diese Reize gewöhnt, wodurch wir ständig nach neuen Reizen suchen – immer mehr, härter, schneller, versauter.
Der Weg in die Pornosucht ist bei so ziemlich allen Betroffenen gleich verlaufen. Mit durchschnittlich 13 Jahren heimlich nach der Schule masturbieren, dann immer öfter zu immer härteren Clips. So harmlos es auch anfing, irgendwann konnten die Betroffenen nicht einmal mehr zu einem Hardcore-Porno kommen.
Eine Frau oder ein Film reichten nicht mehr aus. Es müssen mehrere Filme gleichzeitig laufen. Oft auf mehreren Bildschirmen. Auch die Art der Pornos, die sie ansahen, veränderte sich mit der Zeit. Neue Reize mussten her und irgendwann mussten sie sogar Videos anschauen, die sie eigentlich moralisch verwerflich fanden.
No Fap Challenge
Sobald sich eine Sucht als solche etabliert, kommt natürlich auch sofort ein Gegenmittel. Und tatsächlich: sucht man beispielsweise auf Youtube nach Wörtern wie „porn addiction“ oder „no fap“, kommt man zu unzähligen „no fap challenge“-Videos, in denen Typen ihre Erfahrungen teilen und versuchen andere zu diesem Schritt zu ermutigen. Sinn der Sache ist es einen „kalten Entzug“ zu machen und für den Anfang 30 Tage ohne Pornos zu überstehen.
Das Thema wird erstaunlich ernst genommen, nicht nur in den Kommentaren zu den Videos. Auch in No-Fap-Foren suchen junge Burschen nach Hilfe und sind froh, mit gleichgesinnten über ihr Problem reden zu können. Der Frust ist groß und die Geschichten sind immer gleich: „Ich schaffe es nicht den Tag zu überstehen ohne mindestens ein Mal zu einem Porno zu wichsen“ oder „ich bin schon nach 2 Tagen rückfällig geworden, jetzt geht’s mir scheiße“. Das Ganze geht bei einigen so weit, dass sie sich selbst Regeln aufstellen wie „kein Facebook, kein Instagram“, weil sie durch manche Bilder zu stark in Versuchung kommen.
„Und jetzt?“, werden sich viele denken. Pornographie verteufeln ist echt lächerlich und kindisch, es gehört ja schließlich zu unserem heutigen Lifestyle und sich ab und zu einen Runterzuholen ist ja wohl normal. Das stimmt, natürlich ist gegen Masturbation nichts einzuwenden und nicht jeder ist pornosüchtig. Es hat auch positive Seiten wie die Post Nut Clarity. Doch nachdem man sich Dokumentationen wie „Porn on the brain“ oder Ted Talks wie „The great porn experiment“ angeschaut hat, bekommt man als Mann schon etwas Angst, früher oder später keinen mehr hochzukriegen.
In diesem Sinne: geht und genießt eure Sexualität, auf eine gesunde Art und Weise.
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