Popstar Shakira und der Fall Dominique Pélicot bringen ein vergessenes und leider auch recht bagatellisiertes Phänomen ins Rampenlicht zurück: Upskirting. Das unbefugte Filmen unter den Rock von Frauen. Seit 2021 eine Straftat, by the way!
Upskirting: heiß diskutiertes Thema dank Shakira
Es hätte ein so beschaulicher Abend werden können, ja sollen. Doch dann das: Popstar Shakira war gerade dabei, ihre neue Single zu promoten. Ganz familiär, in einem Club in Miami, auf einer kleinen Bühne.
Doch die Sängerin unterbricht ihre Tanzeinlagen immer wieder, weil sie einem Mann verdeutlichen will, dass er ihr nicht andauernd unter das Kleid filmen soll! Bedauerlicherweise ohne Erfolg. Woraufhin der Star entnervt von der Bühne flüchtet.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Upskirting: Überführung von Dominique Pélicot
Upskirting nennt sich das, was Shakira und vielen, vielen anderen Frauen immer wieder passiert. Dabei handelt es sich ursprünglich um die Perspektive, aus der einer Frau unter den Rock geblickt bzw. geblickt werden kann.
Doch bei den Blicken bleibt es nur in den seltensten Fällen. Eher noch wird unter den Rock der Frauen gefilmt. Upskirting ist auch deshalb gerade in aller Munde, weil dieses Phänomen auch Teil des Aufsehen erregenden Prozesses gegen Dominique Pélicot ist. Ja genau, das ist jener Franzose, der seine Frau betäubt hat und über Jahre hinweg von um die fünfzig Männern vergewaltigen ließ.
Soweit es dem Gericht bekannt ist. Denn die Ermittler in dem Fall gehen sogar von mehr als 90 Vergewaltigern aus, die Gisèle Pélicot zwischen den Jahren 2011 und 2020 vergewaltigt haben sollen. Dominique Pélicot wurde im September 2020 dabei erwischt, wie er Frauen unter die Röcke filmte. Als die Polizei daraufhin seinen Computer untersuchte, wurden Tausende Fotos und Videos sichergestellt, die die Gräueltaten an seiner Frau dokumentierten.
Upskirting: Ein Blick „mit Geschichte“
Upskirting ist dabei kein neues Phänomen. Bereits im Jahre 1767 verdeutlichte das Rokoko-Meisterwerk Die Schaukel (L’Escarpolette) des Malers Jean-Honoré Fragonard diesen ganz „speziellen“ male gaze. Auf dem Bild genießt ein Mann den Blick auf die Beine bzw. in den Schritt einer schaukelnden Frau.
Knapp 200 Jahre später verwandelt Marilyn Monroe mit der Szene aus dem Film Das verflixte 7. Jahr (1954) das Upskirting zu einem Meilenstein der Filmgeschichte – und banalisiert dabei vor allem die Problematik dieses Übergriffs.
In besagter Szene spielen die Filmemacher zwar nur mit eben dieser Upskirt-Perspektive, dennoch änderte diese Film-Sequenz die Art und Weise, wie vor allem Männer über das Upskirting denken. Beziehungsweise zerstörte Marilyn Monroes Performance das Bewusstsein dafür, dass Upskirting ja im Grunde ein Übergriff sein könnte.
Erst im Jahr 2003 setze sich dann der Artikel „Die nackte Unwahrheit“ von Christoph Schultheis in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Thema des „unwillentlichen Upskirt in der Öffentlichkeit“ auseinander und reagierte dabei auf diverse Medien, die in diesem Zusammenhang von „Handy-Spannern“ berichteten.
Was verwundert, ist dabei die Tatsache, dass es damals trotz einer vermehrten Berichterstattung zu keiner einzigen Anzeige kam. Das Thema Upskirting wurde dabei sogar noch banalisiert. Dennoch führte eine Online-Petition dazu, dass Upskirting 2020 schließlich unter Strafe gestellt wurde.
Downblousing
Natürlich ist nicht nur das unbefugte Filmen von Genitalien und dem Gesäß oder diese Körperteile bedeckende Unterwäsche strafbar. Die Herstellung von Video- oder Bildaufnahmen der weiblichen Brust, bekannt als „Downblousing“ ist ebenfalls strafbar.
Upskirting: ein Fazit
Auch wenn die Anzahl dieser Formen des Übergriffs recht überschaubar erscheinen mag – ein Jahr nach Einführung der Strafverfolgung für ein solches Vergehen, kam es in Österreich 2022 zu lediglich 129 Fällen mit 22 Anklagen – so scheint die Dunkelziffer doch um einiges größer.
Warum es nur so wenige Anzeigen gibt, liegt auch daran, dass die Betroffenen gar nicht wissen, wenn sie Opfer eines solchen Übergriffs werden. Beziehungsweise zeigen viele Opfer den Übergriff einfach nicht an, weil sie auch selbst den Übergriff bagatellisieren.
Dass Upskirting jedoch ein großes Problem ist, daran gibt es keinen Zweifel. Was die Reaktionen auf den Bericht über Shakiras Übergriff auch verdeutlichen. Schlimm an dem abgebrochenen Auftritt von Shakira ist aber auch, dass der Täter sogar vor einer prominenten Person nicht haltmachen wollte.
Ein weiteres Problem ist, dass auch niemand der Anwesenden den Täter aufforderte aufzuhören. Es bleibt scheinbar noch ein langer Weg, bis das Bewusstsein der Männer, für dieses Thema vollkommen ausgereift sein wird.
Titelbild © Shutterstock
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Sperrstunde fällt ab Juli: Erste Schritte in die Nachtgastronomie?
Wie derStandard.at gerade im Live-Ticker berichtet hat, scheint die Sperrstunde mit 1. Juli gänzlich zu fallen. Betrachtet man die Partys […]
Beziehungsformen erklärt: Diese Arten von Beziehungen gibt es
Lange Zeit war Monogamie die einzige Beziehungsform, die in der Gesellschaft akzeptiert wurde. Genauso wie Mann und Frau die einzigen […]
Sri Lanka Rundreisen – naturnahe Reisen im Garten Buddhas
Sri Lanka gehört zu den bekannteren, aber trotzdem eher wenig bereisten Ländern der Welt. Dabei gibt es gerade hier allerhand zu entdecken.
10 Ideen, wie du Balkon oder Terrasse günstig gestalten kannst
Die Tage werden länger, die Nächte kürzer. Der Sommer steht vor der Tür. Was – dein Balkon strahlt in kahlem […]
VERSCHOBEN: Der goldene Hashtag - ein Award für eine neue Generation des Marketings
Im Zuge des verschobenen (!) 4GameChangers Festivals am 8. - 11. September vergibt AIMA - die Austrian Influencer Marketing Association - das erste Mal den „goldenen Hashtag“ in 10 verschiedenen Kategorien. Eine neue Ära des Marketings erhält so endlich seine angemessene Wertschätzung. Auch ihr könnt eure Lieblingsinfluencer nominieren. Wie das geht und was genau ausgezeichnet wird, erfährt ihr hier.
So datest du mit deinem Partner eine dritte Person
In einer Beziehung zu sein, bedeutet für mich verantwortungsvoll zu sein, mitfühlend und kompromissbereit. Ich habe gelernt, mit dem Menschen, den ich liebe, alles zu teilen. Meine Vergangenheit, meine dunkelsten Gedanken, meinen Alltag - und fremde Menschen, mit denen wir uns gemeinsam verabreden.









