Zwischen GNTM und Drag. Zwischen Bühne mit Verantwortung und Abenden, an denen man nicht mal aufs Klo kann. Wir haben Felix aka Shira getroffen und ihm Fragen gestellt, die er so vielleicht noch nie gehört hat. Ob er lieber ein wunderschöner Waschbär oder ein extrem hässliches Pferd wäre? Lest selbst.
Hast du Bock?
Ja klar!
Juckt es unter der Perücke?
Ja, es juckt und drückt manchmal – aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Und wenn es gar nicht anders geht, nehme ich einfach eine Kopfschmerztablette. Es gibt auch Abende, an denen ein Toilettengang nicht möglich ist – zum Beispiel, wenn ich einen Body trage und alles fixiert ist. Aber mit etwas Durchhaltevermögen – und wenn man bereit ist, ein bisschen zu schwitzen – lässt sich die Nacht gut überstehen.
Wird Drag im TV mehr als Unterhaltung wahrgenommen statt als Kunstform?
Ja, ich denke schon. Gerade im Fernsehen steht oft die Optik im Vordergrund – das Visuelle, das Spektakel. Beim Drag geht es aber um so viel mehr: Unterhaltung, ja, aber auch um politische Statements, künstlerischen Ausdruck und ganz viel harte Arbeit. Leider rückt diese Tiefe manchmal in den Hintergrund. Ganz vergessen wird sie nie, aber heutzutage ist es oft so: Man schaut lieber schnell hin, statt sich mit dem ‚Kleingedruckten‘ auseinanderzusetzen. Genau deshalb wollte ich bei GNTM zeigen, was Drag wirklich ausmacht. Es gab ja dann auch die Drag-Folge – nur war ich da leider nicht mehr dabei.
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Wärst du lieber ein extrem hässliches Pferd oder ein extrem schöner Waschbär?
Das ist eine wirklich gute Frage. Ich glaube, ich würde den schönen Waschbären wählen. Wobei – was bedeutet schon „schön“ und „hässlich“? Das ist ja sehr subjektiv. Aber am Ende des Tages: Wer möchte nicht schön sein?
Führt der öffentliche Auftritt als Drag-Queen automatisch zu mehr Verantwortung?
Ja, mit Reichweite kommt auch Verantwortung. Auch wenn ich mich politisch eher zurückhalte, finde ich, dass man Sichtbarkeit unbedingt für positive Botschaften nutzen sollte. Klar, Instagram ist in erster Linie eine Plattform für Selbstinszenierung und Werbung – da geht es oft um das eigene Bild. Aber genau deshalb ist es umso wichtiger, die eigene Reichweite bewusst und verantwortungsvoll einzusetzen.
Was würdest du ändern, wenn GNTM von dir wäre?
Ich würde die Trennung zwischen Männern und Frauen aufheben, Mode und Schauspiel stärker miteinander verbinden und vor allem jungen Designer:innen mehr Raum geben. Es gibt so viele talentierte, kreative Künstler:innen, die definitiv eine Bühne verdienen. Gleichzeitig verstehe ich natürlich, dass bei einer großen Produktion wie GNTM bekannte Namen und mediale Strahlkraft eine wichtige Rolle spielen.
Hast du einen Big Sister Advice für uns?
Lass dir Zeit – Qualität braucht Entwicklung. Finde deinen eigenen Stil, statt zu kopieren, und hab Geduld mit dir selbst. Das kommt nicht alles von heute auf morgen: die femininen Bewegungen, das Laufen auf Heels, das Schminken. Du musst deinen Körper neu kennenlernen. Das ist ein langer Prozess.
Als was gehst du zu Karneval?
Eigentlich gehe ich gar nicht zu Karneval oder Halloween. Für viele ist das eine willkommene Gelegenheit, sich zweimal im Jahr zu verkleiden und richtig loszulassen – und das ist auch schön so. Aber für mich ist das Alltag – ich verkleide mich das ganze Jahr über, da verliert es ein bisschen den Reiz. Nur wenn ein cooles Booking oder eine richtig gute Party ansteht, überlege ich es mir. Oder wenn Heidi Klum anruft… lacht.
Empfiehl uns ein Kinderbuch!
Sehr gerne! „Raffi und sein pinkes Tütü“ von Riccardo Simonetti ist ein wunderbares Buch. Es zeigt auf liebevolle Weise, dass es völlig in Ordnung ist, wenn ein Junge etwas Feminines wie ein Tütü schön findet. Es unterstützt Kinder dabei, überholte Rollenbilder zu hinterfragen – nicht alles muss Blau für Jungs und Rosa für Mädchen sein. Ich finde das unglaublich wichtig, damit Kinder mit Offenheit, Vielfalt und einem freien Blick auf sich selbst und andere aufwachsen können.
Wo siehst du dich in 5 Tagen?
In fünf Tagen? Am liebsten an einem Ort mit Wasser, Sonne und genug Zeit, um einfach mal abzutauchen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Titelbild © Vlad Dobre
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