Seien wir uns ehrlich: Hohe Erwartungen sind bei ersten Tinder-Dates fast immer fehl am Platz. Aber egal wie tolerant man – bzw. frau – ist, manche Treffen übersteigen dann doch stark die Schmerzgrenze. Immerhin: Unsere drei Glanzexemplare lassen eure eigenen Dates gleich in völlig neuem Licht erstrahlen. Also raus mit dem Popcorn und enjoy the show!
Der herausragende Liebhaber (Lisa*, 23)
Eigentlich wusste ich ja schon von Anfang an, dass er nichts für mich sein würde. Er war einer dieser auftrainierten Typen, posierte mit grimmigem Blick fürs Selfie vor dem Spiegel und schrieb in einer seiner Nachrichten so nebenbei, er sei „ein herausragender Liebhaber“ – in exakt diesem Wortlaut. Aber gut, ich brauchte Ablenkung. Beim Date – ich mit meinem Bier, er mit seiner Cola Light – sprach ich ihn auf seine manipulativ klingenden Nachrichten an. Und schon stellte sich heraus: Er kam aus der Pick-Up Szene, also Mädls aufreißen, indem ihr Selbstwert verletzt wird. (Was er jetzt hinter sich gelassen hatte. Natürlich.)
Sein eigener Selbstwert schien dafür bis ins Unendliche zu ragen: Er sagte mir im Ernst, er sei davon überzeugt, dass jede Frau, die ihn sehe, mit ihm schlafen wolle – so fesch war er dann auch wieder nicht. Leider gelang es mir nicht, seine These zu widerlegen. Der billige Trick mit dem „herausragenden“ Sex hatte, wie ich zugeben muss, funktioniert, denn ich war neugierig.
Also lag ich bald bei ihm im Bett – und erfuhr den Grund für seine eindeutige Überschätzung seiner Fähigkeiten als Liebhaber. Vor Jahren hatte er sich beim Geschlechtsverkehr ein Stück Haut abgerissen, sodass er jetzt mit Kondom nicht mehr kommen konnte. Was bedeutete, dass er beim Sex ewig durchhielt. Mehr hatte er nicht zu bieten. Es gibt anscheinend immer noch Männer, die glauben, allein die Dauer macht’s aus.
Danach folgten lange Stunden, in denen ich immer wieder übertrieben laut gähnte und er trotzdem nicht zu reden aufhörte. Über sich, natürlich. Am nächsten Morgen wollte ich gleich abhauen, doch er fragte so ehrlich enttäuscht: „Bleibst du nicht noch zum Frühstück?“, dass ich es nicht übers Herz brachte zu gehen. Es gab Couscous mit Süßstoff.Die Beilage: ein paar weitere Ausführungen zu seiner Fitnessroutine. Manchmal tut der Abschied so weh. Diesmal definitiv nicht. Ciao ciao Baby.
Die Katzenhasserin (Martin*, 32)
Auf den Fotos sah sie sehr süß aus. Ein liebes Lächeln, richtig sympathisch. Wir schrieben ein paar Tage lang hin und her, dann verabredeten wir uns zu unserem ersten Date – das zugleich auch das letzte sein sollte. Aber das wusste ich da noch nicht.
Ich holte sie bei ihr zuhause ab und wartete auf der Terrasse, während sie sich die Schuhe anzog. Am Geländer saß eine Katze, die mich neugierig anstarrte. “Süße Katze. Ist das deine?”, fragte ich mein Date. Sie sah auf – und stampfte auch schon los: “Dieses Scheiß-Vieh kommt mir nicht auf die Terrasse!” Vor meinen Augen packte sie die Katze am Schweif und warf sie übers Geländer. Mit einem selbstzufriedenen Lächeln sah sie mich an: “Gehen wir?”
Eigentlich hätte ich da schon abhauen sollen. Aber was soll ich sagen, fesch fand ich sie trotzdem. Bis wir dann bei unserem ersten Drink saßen und sie so richtig den Mund aufmachte. Was sie sagte, war so arg, ich will es gar nicht wirklich wiederholen: “Ich bin Rassistin”, erklärte sie mir. “Ich hasse alle Ausländer.” Und lehnte sich zurück, völlig unbeeindruckt von meinem entsetzten Blick.
Ein paar Minuten später fing sie damit an, mir Liebesbriefe von ihrem Exfreund vorzulesen. “Schau, wie der mich angehimmelt hat”, sagte sie und lachte bösartig. Mittlerweile kam sie mir vor wie eine Hexe aus einem Albtraum. Ich hatte richtig Angst, dass sie ihre Krallen gegen mich ausfahren würde, wenn ich nach dem ersten Getränk schon wegwollte. Aber lange würde ich das nicht mehr durchhalten.
Als sie irgendwann aufs Klo ging, zahlte ich so schnell ich konnte und machte mich auf und davon. Eine letzte Nachricht schrieb ich ihr noch: “Sorry, musste weg. Aber so richtig gefunkt hat’s zwischen uns wohl nicht!” Worauf sie mir Sekunden später antwortete: “Seh ich genauso, du Pussy.” Gottseidank bin ich abgehauen, bevor sie auch mich am Schwanz gepackt hat.
Der Frühstücksexperte (Christina*, 27)
Es war zu Beginn der Coronazeit, wir wollten beide vernünftig sein und schrieben am Anfang nur. Die Nachrichten wurden länger, irgendwann stiegen wir auf Skype um. Er wirkte erfrischend normal – wir verstanden uns gut. Dann wurden die Ausgangsbeschränkungen gelockert und unser erstes Treffen stand mehr als nur im Raum. Er sagte, er würde mich zum Frühstück einladen, bei sich, danach könnten wir dort auf einen Berg hinaufwandern. Es war mein allererstes Tinder-Date, ich war aufgeregt, aber vor allem freute ich mich. Frühstück und Wandern – das klang doch gut.
Er war mehr als aufgeregt. Er war hochgradig nervös. Der Typ zitterte so stark, dass ich mich zwischendurch ernsthaft fragte, ob er auf irgendeinem Entzug war. Aber gut, Nervosität ist menschlich. Das will ich ihm nicht übelnehmen. Wohl aber das Frühstück. Denn was mich erwartete, war kein gedeckter Tisch mit frischem Gebäck und Kaffee. Es war eine Banane. Und das ist kein bisschen zweideutig gemeint. Sein Frühstück für mich war tatsächlich eine große, gelbe Banane. I mean, what the fuck?
Im nächsten Moment wanderten wir auch schon den Berg hinauf – ich war zu überfordert mit der Situation, um gleich wieder zu fahren. Es war keine gute Idee: Ich hatte noch nichts gegessen (schließlich hatte ich ein Frühstück erwartet) und mir war so schlecht, dass ich jeden Moment dachte, ich müsse mich übergeben. Endlich am Rückweg sprang mir plötzlich der Typ in den Weg und stammelte meinem erschrockenen Selbst entgegen: „Ich hätt jetzt gern ein Schmuserl.“ Ihr ahnt es wahrscheinlich schon – Schmuserl gab’s keines, genauso wenig wie ein Wiedersehen. Die Banane durfte er behalten.
*Namen von der Redaktion geändert
Titelbild Credits: Shutterstock
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