Der Burgenland-Winter ist wunderschön, aber still. Sehr still. Gut also, dass Barbara Eselböck und Alain Weissgerber ihren ikonischen taubenkobel nicht nur als Hort der 2-Sterne-Kulinarik in Schützen betreiben, sondern einmal im Jahr den Koffer packen. Seit 2015 übersiedelt das Team für sechs Wochen nach Wien. Jedes Mal an einen neuen Ort, jedes Mal unter neuem Namen – und immer mit enorm viel Rums. Heuer macht das Pop-up als „TurboTaube“ die alte Astoria Garage unsicher. Wir haben Gastgeberin Barbara Eselböck gefragt, wie man aus einer kalten Werkstatt ein Gourmet-Erlebnis zaubert.
Die Taube bleibt, das Nest wechselt
Wer beim taubenkobel nur an ein kurzes Magen-Intermezzo denkt, liegt komplett falsch: Der Stammhof im Burgenland ist seit 44 Jahren ein gewachsener Familienbetrieb, Relais & Châteaux Hotel, Greisslerei und Träger von zwei Michelin-Sternen. Doch wenn sich die Puszta im Winter schlafen legt, erwacht der Wiener Pop-up-Trieb.
„Aus einem Experiment ist eine Tradition geworden“, erklärt Barbara Eselböck.
Die Liste der bisherigen Wiener Exil-Locations liest sich wie ein Architektur-Krimi: Alte Post, Remise, Ballsaal des früheren Hotel Donauhof, die Manner-Privatvilla, das Theater des Otto-Wagner-Spitals, der Volksgarten Club und das Atelier im Augarten. Heuer verschlägt es das Team in die ehemalige Mercedes-Werkstatt der Astoria Garage. Einen Lieblingsort? Gibt es laut Barbara nicht – es ist immer der, an dem man gerade steht.
Die legendäre Astoria Garage
Ende der 1930er Jahre erbaute Autopionier Cesar Karrer die Astoria Garage: Eine monumentale Sechs-Etagen-Turmgarage mit einer schneckenförmigen Betonrampe und zentraler Glaskuppel, die damals als modernste Garage Europas galt. 2026 wird der Pioniergeist neu aufpoliert – mit 3 bis 5 Gängen serviert das turbocharged Pop-Up kulinarische Raffinesse auf dem spektakulärsten Parkdeck der Stadt.
Sechs Monate Schweiß für sechs Wochen Exzess
Ein Restaurant an einem Ort hochzuziehen, der dafür absolut nicht gedacht war, klingt nach romantischem Abenteuer, ist aber knallharte Logistik. Für die TurboTaube bedeutet das: Strom, Wasser, Heizung, behördliche Genehmigungen, Profi-Küche, Licht, Möbel und Geschirr müssen in die Werkstatt importiert werden.
Dahinter stecken gut sechs Monate Vorbereitung. Das gesamte Team aus Schützen übersiedelt für die sechs Wochen nach Wien.
„Jeder Ort ist neu, und was einen erwartet, weiß man erst, wenn man drinsteht: Wo kommt der Strom her, wie heizt man einen hohen Raum, was sagen die Behörden. Improvisieren gehört dazu. Oft entstehen gerade daraus die schönsten Momente, und die Gäste merken davon im besten Fall nichts..“
Konzept aus dem Bauch & Kunst von Billi Thanner
Das Design entsteht nicht am Reißbrett, sondern aus dem Raum selbst. Die Entscheidung fällt am Ende emotional: „Würden wir selbst dort hingehen wollen?“
Zur TurboTaube in der Astoria Garage gehört heuer auch eine gewaltige Portion Kunst. Die Wiener Künstlerin Billi Thanner hat die alte Werkstatt in eine leuchtende Rennstrecke verwandelt: Lichtlinien, strahlende Rahmen und eine leuchtende Acht führen durch den Raum. Die Gäste essen sechs Wochen lang direkt in ihrer Installation.
Was kommt auf den Teller?
Hier halten sich Barbara Eselböck und Küchenchef Alain Weissgerber bedeckt. Das Menü bleibt bis zum Tisch geheim – ein bisschen Nervenkitzel gehört schließlich zum Rennsport.
Fest steht nur das Setup:
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„Le Mans“: Die Langstrecke für Genießer mit 5 Gängen.
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„Monaco“: Die kurze, elegante Runde mit 3 Gängen.
Kulinarisch erwartet die Gäste nur die besten Produkte, Pannonische Wurzeln und – passend zum Motto – extrem wenig Respekt vor Leitplanken.
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Familienhandwerk ohne Eitelkeiten
Dass das Konzept seit Jahren so erfolgreich fliegt, liegt am Fundament. Barbara Eselböck und Alain Weissgerber teilen sich die Führung komplett auf: Sie führt die Regie im Saal, er rockt die Küche.
„Was uns ausmacht: Wir nehmen das Handwerk sehr ernst und uns selbst nicht zu sehr. Wir verkaufen nicht, wir führen den Abend.“
Wer die TurboTaube erleben will, sollte sich beeilen. Nach sechs Wochen gehen in der Astoria Garage die Lichter wieder aus, die Reifen werden eingepackt und das Team düst zurück nach Schützen am Gebirge.
Facts & Info:
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Wo: Astoria Garage, Wien
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Wann: 13. November bis 22. Dezember 2026, Montag bis Samstag ab 18 Uhr, Sonntag geschlossen
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Reservierung & Infos: direkt über die taubenkobel-Website
Titelbild © Jung von Matt
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