Der Rechtsbescheid für jede Nummer. Die Unsicherheit wird endlich beendet und jeder One-Night-Stand zur juristischen Gewissheit. Innovation aus Dänemark macht es möglich. Mithilfe einer App können Sexualpartner*innen einen 24 Stunden-Vertrag über ihre Einvernehmlichkeit abschließen.
Call on the law
Denmark recognises sex without consent as rape – an important step in implementing Article 36 of the #IstanbulConvention and called for by #GREVIO in its report on Denmark https://t.co/bzKAwVGyaO https://t.co/1ZEYZwQeek
— Istanbul Convention (@CoE_endVAW) December 17, 2020
Da in Dänemark neuerdings die ausdrückliche Zustimmung zum Sex gesetzlich verpflichtend ist, haben IT-Pros prompt folgendes entwickelt: Eine App, die einem diese erforderliche Zustimmung auch gesetzlich versichert. Gekoppelt mit einem Kondom u.ä. wird der Sex nun so safe wie noch nie. Mit der App „iConsent“ (consent – Englisch „zustimmen“, Anm. d. Red. ) werden Koitus-willige Parteien über ihre Telefonnummern gesetzeskonform zusammengebracht.
Da es in vielen skandinavischen Ländern ohnehin ganz üblich ist, über das Telefon bzw. eine Software – in Schweden z.B. Swish – finanzielle Transaktionen aller Art zu begleichen, scheint die sexuelle Zustimmung über das Smartphone, nur die daraus logisch folgende Erweiterung.
Die Telefonnummer der Person, mit der man Sex haben möchte, wird in die App eingegeben. Die Partei sexuellen Interesses erhält eine Benachrichtigung und kann dem unterbreiteten Angebot zustimmen. As simple as that. Diese dann beiderseitige Zustimmung gilt für eine Nummer und läuft nach 24 Stunden ab. Ist jedoch auch widerrufbar. Das Ziel der Entwickler: digitale Zustimmungen zur Norm zu machen, umso Missverständnissen und Missbrauch vorzubeugen. Es ist, wie sie versichern, eine App zum neuen dänischen Gesetz.
Im Dezember trat in Dänemark ein Zustimmungsgesetz in Kraft, wie es so schon im Nachbarland Schweden seit 2018 existiert. Dabei rechtlich verankert, die ausdrückliche und verpflichtete Zustimmung zum Sex. Sex ohne Einwilligung gilt daher ab jetzt als Vergewaltigung per se. Somit erweist sich diese App – in Form eines digitalen Vertrags – als durchaus sinnvoll. Der Vertrag wird verschlüsselt und gespeichert und kann natürlich bei Bedarf auch als Beweismittel verwendet werden.
Eine App „so sexy wie eine Corona-Pressekonferenz“
Was gut gemeint daher kommt, stößt jedoch auf eine Welle des Gegenwinds. „In dem Gesetzesbeschluss ginge es nicht darum, die Menschen dazu zu bringen, vor dem Koitus etwas zu unterschreiben.“, behaupten viele der VertreterInnen, die am Gesetzesentwurf selbst beteiligt waren. Die Idee dahinter war nämlich, die Menschen dazu zu bringen, einander zuzuhören, aufeinander einzugehen und miteinander zu sprechen.
„Es ist eine Fähigkeit, andere sexuell zu lesen“, so der klinische Sexologe Jesper Bay-Hansen. „Wenn wir das in eine App verschieben, dann bringen wir uns um einen Teil der Möglichkeiten, diese Fähigkeit zu erlernen.“ Menschliche Phänomene – vor allem Sex – sind demnach nicht so einfach so leicht vertraglich zu lösen. Die Gefahr einer De-Sexualisierung unseres Sexuallebens, in der die Leidenschaft vom Recht und Gesetz abgelöst wird, bleibt.
Und ob man rechtlich auch wirklich auf der sicheren Seite ist, ist wiederum eine andere Frage. So erklärte der Jurist Morten Bjerregaard, die App würde vor Gericht ohnehin nicht standhalten. Warum? Denn grundsätzlich hat jeder die Möglichkeit, seine Meinung in der App wieder zu revidieren, also es sich anders zu überlegen. „iConsent“, ein Lösungsvorschlag, der mehr Fragen aufwirft, als damit schlussendlich gelöst werden. Ob sich diese App durchsetzen wird? Man darf gespannt sein.
Titelbild Credits: Shutterstock
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