Das japanische Finanzamt hat den Wettbewerb „Sake Viva!“ ins Leben gerufen. Gesucht werden Ideen, wie man den stark gefallenen Alkoholkonsum im Land, vor allem bei jungen Japaner*innen, wieder steigern kann. Denn mehr Alkohol bedeutet auch: mehr Steuereinnahmen.
Abwärtstrend Alkoholkonsum – ein Problem für Staat und Konzerne
Man möchte meinen, die Abkehr junger Menschen vom Alkohol würde im Allgemeinen als positive Entwicklung begrüßt werden. Doch weit gefehlt. Dieser Trend entpuppt sich in Japan nämlich als Bad News. Nicht nur für Alkoholkonzerne, sondern auch für Regierungen, die sich so lukrative Alkoholsteuereinnahmen durch die Finger gehen lassen müssen. Dasselbe gilt natürlich auch für das Glücksspiel in Österreich und Co. Genauso wie für den Tabakkonsum.
Wie dem auch sei. Laut dem japanischen Gesundheitsministerium befindet sich der Alkoholkonsum des Landes seit den 1990er Jahren in einem Abwärtstrend. Nach dem Erreichen des Höchststandes von 101,8 Litern Alkoholverbrauch pro Kopf im Jahr 1992, folgte ein Abwärtstrend. Im Jahr 2014 lag der Jahresverbrauch im Durchschnitt bei 80,3 Litern. Heutzutage (Stand 2020) liegt der Verbrauch nur noch bei Durchschnittlich 75 Litern pro Kopf. Dies liegt zum Teil an der Gruppe der älteren Menschen ab 70 Jahren, von denen für gewöhnlich nur wenige noch (viel) Alkohol trinken.
Überalterung, neuer Lebenstrend und Coronavirus
Weiterer Grund für den Rückgang sieht man aber auch in einem Plan der Regierung selbst. Vor rund zehn Jahren wollte man nämlich gesellschaftliche und gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit Alkohol bekämpfen. Wobei der Schwerpunkt dort darauf lag, den relativ kleinen Teil der Bevölkerung zu erreichen, auf den fast 70 % des gesamten Alkoholkonsums Japans entfallen. Damit scheint man, wie es aussieht, erfolgreich gewesen zu sein. Anscheinend zu erfolgreich.
Auch die Covid-19-Beschränkungen im Land haben viele Menschen davon abgehalten, die japanischen Kneipen zu besuchen. Und zu Hause zu trinken, ist dort nicht allzu sehr verbreitet. Daher trinken die Japaner*innen zu Hause einfach nicht genug, so die Steuerbehörde. Was eigentlich eine gute Nachricht sein sollte – aber egal. Ergebnis: „Der heimische Markt für alkoholische Getränke schrumpft aufgrund demografischer Veränderungen wie der sinkenden Geburtenrate und der alternden Bevölkerung“, sowie einer Verschiebung des Lebensstils weg vom Trinken, erklärt die Website des vom Finanzamt ausgerufenen Wettbewerbs.
“Sake Viva!” no doubt the brainchild of the same geniuses who brought us “Cool Japan”#サケビバ #クールジャパン pic.twitter.com/u4LMp3RmrJ
— Michael Arias (@michaelariasnet) August 18, 2022
Japans Finanzamt mit unorthodoxem Ansatz, um Alkoholkonsum zu fördern
Japans nationale Steuerbehörde zweigt sich über diese Entwicklung nun mehr als besorgt. Um diesen Trend aufzuhalten und wieder mehr Steuergeld aus dem Alkoholkonsum in die Staatskassen zu spülen, verfolgt man daher einen, zugegeben, etwas unorthodoxen Ansatz. Um junge Japaner*innen wieder dazu zu bringen, mehr zu trinken, hat man einen Online-Wettbewerb namens „Sake Viva!“ ins Leben gerufen.
Das Projekt fordert junge Menschen zwischen 20 und 39 Jahren dazu auf, Geschäftsideen einzureichen, um eine neue Generation dazu zu bringen, wieder mehr Alkohol zu trinken. Unorthodoxe Methoden scheinen in Japan mittlerweile wohl üblich zu sein. Man denke nur an die Aktion, kostenlose Nudel-Nachfüllungen für alle anzubieten, die wählen gehen. So sollten Wahl-faule Jungwähler*innen wieder animiert werden, sich politisch zu engagieren.
Es hagelt Kritik
Man kann sich denken, dass so ein staatlich geförderter Ansatz von vielen kritisch gesehen und hinterfragt wird. Und klar, dieser Weg, den das japanische Finanzamt damit zu beschreiten gedenkt, geht im Grunde in die entgegengesetzte Richtung, die von vielen anderen, modernen Regierungen verfolgt wird.
Und eine weitere Frage lautet natürlich, ob der Verlust an Einnahmen bezüglich des Alkoholkonsums an anderer Stelle (z. B. Ersparnis bei Ausgaben fürs Gesundheitswesen) nicht ohnehin wieder ausgeglichen werden.
Weitere skurrile News aus Japan: Ein zu mietender Nichtstuer, der sich mit Nichtstun dumm und dämlich verdient.
Titelbild © Pexels
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Familie Gucci: Intrigen, Mord und hollywoodreife Geschichte
Gucci – blickt man hinter die Fassaden des millionenschweren Modegeschäftes, dem Glamour und den Fashionshows entdeckt man eine dysfunktionale Familie, […]
Tampon Adé - Alternative Periodenprodukte
10.000 bis 17.000 Tampons oder Binden, Kosten von 2000 bis 5000 Euro und 140 Kilo Müll. Das alles entsteht durchschnittlich […]
Liebe dich gesund! Wie Kuscheln, Sex und Streicheln das Immunsystem boosten
Die Tage werden kälter, der Körper anfälliger für Krankheiten. Wenn es jedoch eine Wohlfühl-Formel für bessere Abwehrkräfte gibt, dann lautet […]
„Reflect“: Disney stellt erste Plus-Size-Protagonistin vor
Bianca ist die erste weibliche Plus-Size-Hauptfigur des neuen Disney-Kurzfilms „Reflect“, welcher von einer Balletttänzerin handelt, die mit ihrem eigenen Spiegelbild […]
New in Town | WELTRAUM
Wien hat viele Bars. Man geht hin, bestellt einen Drink, plaudert ein bisschen und geht wieder. Aber was passiert, wenn […]
Warum das "Cool Girl" eigentlich alles andere als cool ist
Die Popkultur hat schon viele Phänomene hervorgebracht, eines davon ist das „Cool Girl“. Stars wie Mila Kunis, Jennifer Lawrence und Megan Fox sind der Inbegriff des „Cool Girls“. Was genau ist ein Cool Girl und warum ist das Ganze alles andere als cool?







