McDonald’s holt sich für seine Winter- und Weihnachtswerbekampagne ein berühmtes Gesicht. Denn niemand geringerer als Shirin David ziert den neuen Spot, welchen McDonald’s Deutschland kürzlich veröffentlicht hat. Doch der Werbedeal sorgt bei den Fans nicht nur für Begeisterung. In den Kommentarspalten finden sich zahlreiche kritische Meldungen, welche die Entscheidung der Musikerin, mit McDonald’s zusammenzuarbeiten, nicht nachvollziehen können. Denn für die Kooperation hat Shirin David unter anderem ein Stück von ihrer Kunst hergegeben!
Ganz klar, der Werbedeal zwischen McDonald’s und Shirin David ist ebenso beeindruckend, wie er umstritten ist. Die Resonanz in den sozialen Medien und der Berichterstattung rundherum fällt verständlicherweise riesig aus. Hier haben sich zwei Giganten verbündet. In den Kommentarspalten entwickelten sich bereits, kurz nach dem McDonald’s den Spot veröffentlichte, hitzige Debatten. Dabei prallen Fans und enttäuschte Fans aneinander. Das Stimmungsbild ist durch Uneinigkeit gezeichnet, denn nicht jeder findet den neuesten Move von Shirin David auch so richtig cool.
McDonald’s Werbung: Logische Konsequenz?
Shirin David hat in den letzten Jahren unumstritten einen kometenhaften Aufstieg in der Rap-Welt und weit darüber hinaus, in den popkulturellen Mainstream hingelegt. Auch abseits der Musik scheint sie alle Projekte, die sie angeht, in Gold verwandeln zu können. Spätestens seit dem Mega-Erfolg ihrer eigenen Eisteemarke „DirTea“ muss man die Musikerin auch als Unternehmerin ernst nehmen.
In den sozialen Medien konnte sich Shirin David als eigene Marke bei einer jungen Zielgruppe stark etablieren. Allein auf Instagram hat sie 6,2 Millionen Follower*innen. Zum Vergleich, die offizielle Instagram Seite von McDonald’s hat gerade mal 4,5 Millionen Follower*innen, McDonald’s Deutschland 295.000 Follower*innen und der Instagram Auftritt des internationalen Konzerns in Österreich gerade einmal 67.7000.
Alles lächerlich im Verhältnis zu dem, was Shirin David als Influencer-Schwergewicht hier mitbringt. Das dürfte auch dem Mega-Konzern McDonald’s nicht entgangen sein. Und so entschied man sich für das Weihnachtsgeschäft für eine Werbe – Zusammenarbeit. Doch das Ausmaß der Superlative lässt die Musikerin nicht bei jedem in einem guten Licht dastehen.
Die Kritik der Fans spricht aber auch für die Musikerin. Denn im Gegensatz zu Fangemeinschaften, die absolut homogen aufgebaut sind und jeden Move ihres Stars huldigen, scheint es hier Platz für Kritik zu geben. Unter dem McDonald’s Spot auf YouTube sowie den Postings in den sozialen Medien sind zahlreiche Debatten aufgeflammt. Die Musikerin hat sich selbst diesbezüglich noch nicht zu Wort gemeldet.
Musikerin ändert Songtext
Das Resultat des Werbedeals ist ein 50-Sekunden-Clip. Für McDonald’s hat Shirin David hier ihren Songtext zum Track „Lieben wir“ geändert. Uns als Öffentlichkeit ist dabei nicht näher bekannt, ob Laas Unltd. seine Zustimmung für die Textänderung geben musste. Immerhin war der begnadete Songwriter und Rapper maßgeblich am Entstehungsprozess des letzten Albums und Mega-Erfolgs von Shirin David beteiligt. Sein Name steht auch bei den Credits zu den Songtexten. Dass man sich hier für eine Abänderung eines erfolgreichen Songtextes entschieden hat, scheint vielen Fans der Musikerin deutlich zu weit zu gehen.
Das Konzept stößt aber nicht jeden vor dem Kopf, denn zwischen zahlreichen kritischen, negativen Kommentaren finden sich auch einzelne, die begeistert auf die Werbung reagieren. Immerhin muss man hier Shirin zugute erhalten, dass sie weiterhin der Lebensmittelbranche kommerziell treu bleibt. Ein Feld, auf dem sie bereits als Unternehmerin mit ihrem Eistee riesige Erfolge verzeichnen konnte. Das Konzept des McDonald’s Musik-Werbevideos ist dabei stimmig, die geänderten Lines sollen die gewünschte Atmosphäre erzeugen und seelenlosen Produkten einen vermeintlich coolen Touch verleihen.
„Bin im McCafé wieder der Sweet taste. Habe was Süßes für den Boy vielleicht Cheesecake.“
An anderer Stelle des Clips wird plakatives Pinkwashing betrieben, was auch in den Kommentaren wahrgenommen und zwiespältig aufgefasst wurde. Dabei scheint der größere Teil ihrer Fanschaft das Queerbaiting eher negativ zu bewerten.
Die Kritik bezieht sich dabei auf viele Einzelheiten der gesamten Kooperation. Manche meinten in den Kommentaren, dass das beworbene Gewinnspiel in Wirklichkeit nur ein Scam, also ein Betrug sei. Hauptsächlich werden dabei die tatsächlichen Gewinnchancen kritisiert. Jedoch könnte man an der Stelle betonen, dass alle Gewinnspiele von großen Konzernen einen betrügerischen Anteil im Hinblick auf die tatsächliche Gewinnchance haben.
Nur McDonald’s böse?
Neben der grundsätzlichen Kritik an dem Konzern und seinen zerstörerischen Strukturen auf nationaler wie internationaler Ebene, sowohl im Hinblick auf Mensch, Tier und Natur werden konkret Themen wie Klimaschutz und Ernährung als Punkte angebracht. Der Vorwurf der Heuchelei ist dabei an vielen Stellen gegenüber Shirin David zu lesen. Laut einigen Fans sollte jemand, der sich in seinem Image als „Woke“ präsentiert, nur mit minder bösen kapitalistischen Unternehmen kooperieren.
Es schwingt ein Hauch von Naivität mit, wenn manche Shirin David unterstellen, sich für den falschen Kapitalismus einzusetzen. Werbung für einen anderen Konzern als McDonald’s mit einem besseren Image wäre also kein Problem? Es würde wohl zu weit führen, sich hier mit der Frage, ob alle Konzerne schlecht sind oder nur manche von ihnen schlechter als andere, auseinanderzusetzen. Also die Frage nach der allgemeinen Verwertungslogik unseres Wirtschaftssystems.
Egal, was man von der Zusammenarbeit halten mag, hier haben sich zwei Riesen zusammen getan, um eine Werbebotschaft an junge Kund*innen zu bringen. Jedoch sollte man als Fan so fair sein, wenn man sein Idol bereits für sein unternehmerisches Können feiert, dann sollten einen auch die negativen Konsequenzen des wirtschaftsorientierten Handelns nicht stören. Dann, wenn man Shirin David schon dafür feiert, dass sie gut darin ist, Geld zu verdienen, dann sollte man sie auch dafür feiern, dass sie sie es so weit geschafft hat, um mit einem riesigen Konzern wie McDonald’s zu kooperieren.
Titelbild © Screenshot Instagram/McDonaldsde und Shirindavid
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