Ein Forscher*innen-Team hat plastikfressende Mikroben entdeckt, die auch bei niedrigen Temperaturen aktiv sind. Die Vision dahinter: Pilze, die bis zur Hälfte des Plastikmülls zersetzen können, der in unseren Meeren schwimmt. Eine Lösung für das weltweite Müllproblem?
Plastik, Plastik, Plastik: ein globales Problem
Plastik ist weltweit ein großes Problem. Verlassene Trinkflaschen verschmutzen Strände, Essensverpackungen liegen in den Wäldern verteilt und, und, und. Die Umwelt leidet unter der enormen Plastikverschmutzung.
Laut WWF gelangen „von den 78 Millionen Tonnen Plastikverpackungen weltweit 32 Prozent in die Umwelt“. Schätzungen darüber, wie viel Plastikmüll in den Meeren landet, ergaben eine Menge von 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen pro Jahr. Das entspricht einer Lastwagenladung pro Minute, die ins Meer gekippt wird.
Aktuellere Berechnungen, die Seen, Flüsse und Meere berücksichtigen, gehen sogar von 19 bis 23 Millionen Tonnen aus. Dabei sollte man wissen, dass nur ein kleiner Teil des Plastikmülls an der Oberfläche treibt. Der Rest befindet sich in tieferen Gewässern oder gar auf dem Meeresgrund und kann nur schwer zurückgewonnen werden. Derzeit wird geschätzt, dass sich am Meeresgrund etwa 80 Millionen Tonnen Plastikmüll angesammelt haben.
Organismen, die Plastik abbauen
Eine mögliche Lösung für dieses und vermutlich alle weiteren Plastikprobleme, liegt in Organismen, die Plastik abbauen können. Allerdings gab es bisher ein Hindernis: Die meisten Mikroorganismen, die Plastik zersetzen können, benötigen Temperaturen von über 30 Grad Celsius, was ihre industrielle Anwendung erschwert.
Energieressourcen sind darüber hinaus sehr teuer und der Prozess ist nicht klimaneutral. Jedoch haben Forscher*innen nun eine Methode entwickelt, bei der die Mikroben auch bei niedrigeren Temperaturen effizient arbeiten können.
Plastikabbau auch bei niedrigen Temperaturen
Die Entdeckung von Mikroorganismen, die bei niedrigeren Temperaturen Plastik abbauen können, ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung von nachhaltigen Lösungen für das Plastikproblem. Bisherige Forschungen hatten gezeigt, dass viele Mikroben für den Plastikabbau höhere Temperaturen benötigen, was den Einsatz in der Industrie erschwert.
Die neuen Ergebnisse legen jedoch nahe, dass es Mikroben gibt, die auch bei kühleren Temperaturen effektiv Plastik zersetzen können.
Die Studie konzentrierte sich auf mikrobielle Taxa in alpinen und arktischen Böden, da diese Regionen im Vergleich zu anderen Umgebungen kälter sind. Forscher*innen isolierten verschiedene Bakterienstämme und Pilzarten und testeten ihre Fähigkeit, biologisch nicht abbaubare und biologisch abbaubare Kunststoffe abzubauen. Es stellte sich heraus, dass einige der isolierten Mikroben PBAT- und PLA-Polymere, zwei handelsübliche biologisch abbaubare Kunststoffmischungen, effektiv abbauen konnten.
Weitere Untersuchungen nötig
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Studie noch nicht alle Fragen beantwortet hat. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um herauszufinden, bei welchen Temperaturen diese Mikroben optimal arbeiten können. Darüber hinaus müssen die kunststoffabbauenden Enzyme identifiziert und der Prozess optimiert werden, um große Mengen an Proteinen für den Einsatz in der Industrie zu produzieren.
Die Anwendung dieser plastikfressenden Mikroben in der Industrie würde weitergehende Forschung und Entwicklung erfordern. Es müssten geeignete Methoden zur Massenkultivierung der Mikroben entwickelt werden, um den Bedarf in industriellen Maßstäben zu decken. Darüber hinaus müssten Fragen der Effizienz, Sicherheit und Umweltauswirkungen sorgfältig untersucht werden, um sicherzustellen, dass der Einsatz dieser Mikroben in der Industrie nachhaltig und verantwortungsvoll ist.
Fazit aus Plastik
Die Erforschung von Mikroben, die Plastik abbauen können, ist ein vielversprechender Ansatz, um das Plastikproblem anzugehen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Lösung nicht nur auf Mikroben beschränkt sein sollte. Ein umfassender Ansatz, der auf Reduzierung, Recycling und der Entwicklung nachhaltiger Alternativen zum Plastik basiert, bleibt von entscheidender Bedeutung.
Dennoch können Entdeckungen wie diese Mikroben dazu beitragen, das Verständnis und die Möglichkeiten zur Bewältigung der globalen Plastikverschmutzung zu erweitern. Was bitter nötig ist, denn gerade mal fünf bis sieben Prozent unseres Plastikmülls wird überhaupt recycelt.
Titelbild © Shutterstock
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
amputierte Körperteile, öffentliche Exhumierungen und Co: die skurrilsten Bestattungsriten der Welt
Bestattungen: Es gibt weltweit eine Vielzahl unterschiedlicher Riten und Bräuche. Die skurrilsten haben wir für dich gesammelt.
Reich, aber kein Geld: Twitter-Kauf von Elon Musk zeigt, wie Steuern vermieden werden
Wie absurd unser Finanzsystem zum Teil ist, dürfte wohl jedem klardenkenden Menschen bekannt sein. Trevor Noah hingegen geht in „The […]
Murder Mystery 2: wie lustig sind Adam Sandler und Jennifer Aniston?
Werden Adam Sandler und Jennifer Aniston mit der Fortsetzung "Murder Mystery 2" an den Erfolg von Teil eins anschließen können?
People Pleasing: die Gefahr, es immer allen recht machen zu wollen
Zuvorkommenheit und Überlastung trennt oft ein schmaler Grat. People Pleasing. Was bedeutet dieses Phänomen und warum ist es problematisch?
Eventbranche: Visionäre Veranstalter übertrumpfen kurzsichtige Politiker
Eine Berufsbranche wurde durch die Pandemie ganz besonders getroffen oder besser gesagt förmlich durchgebeutelt, abgewatscht und vorübergehend versenkt – und […]
Vorsicht: Snoozen schadet der Gesundheit!
Wer kennt sie nicht, die Snooze-Funktion am Smartphone. Viele morgendliche Aufwachroutinen kommen ohne gar nicht mehr aus. Wir stellen den […]







