Seit den 1980er Jahren hat wohl niemand die Welt der modernen Satire so sehr geprägt, wie der Comedian Weird Al Yankovic. Berühmt, aber auch berüchtigt ist er vor allem durch seine Parodien bekannter Musikhits geworden. Das Setting der Musikvideos zu den jeweiligen Songs wurde dabei oft beibehalten. Die Musik auch. Lediglich die Lyrics wurden auf sprachlich kreative Weise durch den Kakao gezogen. Nun zeigt Netflix eine Art Bio-Pic. Sehenswert, trotz fehlender Gag-Qualität!
Wer ist Weird Al Yankovic?
Seitdem einer seiner Comedy-Songs im Alter von 16 Jahren 1976 in der Radiosendung The Dr. Demento Show ausgestrahlt wurde, hat Al Yankovic mehr als 12 Millionen Alben verkauft, über 150 Parodien und Originalsongs aufgenommen und über 1.000 Live-Shows gespielt. Seine Arbeit hat ihm darüber hinaus fünf Grammy Awards und weitere 11 Nominierungen, vier Gold- und sechs Platinplatten in den USA eingebracht.
Yankovics Erfolg beruht zum Teil auf seinem effektiven Einsatz von Musikvideos, um die ursprünglichen Künstler*innen der Songs und die Originalmusikvideos selbst zu parodieren, teilweise sogar Szene für Szene. Dank seiner Kunstform war er einer der führenden Künstler*innen der MTV-Generation.
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Die Weird Al Yankovic Story auf Netflix
Der Film Weird: The Al Yankovic Story fängt an, wie ein klassisches Bio-Pic. Doch für all jene, die das Leben und Wirken von Weird Al Yankovic kennen – und wer tut das schon? – werden immer größere Krümmel der Irritation gestreut. Sodass man sich an einem Punkt denkt: „Moment mal! Kann das wirklich so gewesen sein?“
Recherchiert man jedoch nach, dann fällt der Film als verlässliche Biografie in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Die Kindheit von Weird Al Yankovic war nicht ganz die Hölle, als die es im Film dargestellt wird. Und auch andere Flunkereien mischen sich unter die Fakten. Oft nicht ganz so leicht zu entschlüsseln, obwohl die Handlung ab einem bestimmten Punkt immer absurder wird und man dazu gezwungen wird, einfach alles zu hinterfragen, was in diesem Film so behauptet wird.
Weird Al Yankovic: Dekonstruktion des eigenen Lebens
Hatte Weird Al wirklich eine Beziehung mit Madonna? Hat Michael Jackson tatsächlich vom ihm geklaut? Und war der Drogenbaron Pablo Escobar tatsächlich ein leidenschaftlicher Weird Al-Fan?
Was als klassischer Bio-Film beginnt, wird immer skurriler. Die Geschichte wird vermischt, mit Blödsinn und falschen Spuren, bis es am Ende nur noch Chaos gibt. Was Quentin Tarantino in Inglourious Basterds gemacht hat – das Umschreiben der Geschichte – dasselbe unternimmt auch der Yankovic-Film. Mit dem Unterschied nur, dass er diese Umschreibung ad absurdum führt. Und die Art, wie das gemacht wird, ist einfach nur genial!
Und so treffen wir in Weird: The Al Yankovic Story lauter vertraute Themen: der Underdog der es trotz kaputter Kindheit schafft. Der Vater, der den Sohn verachtet. Die wohlwollende Mutter. Die Gewalt der Kindheit. Der Erfolg, der einfach so kommt, ohne die harte Arbeit dahinter, der Mythos des Genies. Und so weiter.
Weird Al, der bei dem Film über sein Leben auch als Drehbuchautor mitgearbeitet hat, erschafft hier seinen eigenen Mythos. Anstatt das Publikum mit seinem echten Leben zu „nerven“, macht er auch aus diesem eine Parodie und zeigt mit seiner Kunst einmal mehr, wie man das Publikum herzhaft zu irritieren vermag.
Weid Al Yankovic: das Genie, das alles seiner Kunstform unterwirft
Mit seiner Grundidee, sein eigenes Leben parodistisch und nicht der Wahrheit entsprechend zu erzählen, geht Weird Al Yankovic einen geradezu revolutionären Weg. In Zeiten von Fake News und dem daraus resultierendem Schrei nach der Wahrheit macht Weird Al sogar sein eigenes Leben zur Farce. Obwohl dieses im Grunde extrem spannend ist und eine seriöse Verfilmung durchaus interessant gewesen wäre. Aber so what?
Vor allem, was das betrifft, ist Yankovic eine künstlerische Genialität nicht abzusprechen. Wo am Ende seiner Tage (obwohl Al Yankovic noch nicht so alt ist) jeder Star eine cleane Biografie hinterlassen will – Arnold Schwarzenegger unterschlägt in seiner zum Beispiel die Affäre mit der Haushälterin und die Existenz eines Sohnes, den er der Öffentlichkeit über 25 Jahre lange verheimlichen konnte.
Weird Al hat diese Erfolge auch. Doch anstatt sein Ego an der Verfilmung dieser Erfolge sich aufblasen zu lassen, macht er lieber einen knapp 100-minütigen Witz aus seinem ganzen Leben. Und das zeigt eine nicht mehr beschreibbare Größe. Sein Leben zur Kunst machen, zu derselben Kunst (Parodie), mit der man sein Leben lang auch Erfolg gehabt hat. Hut ab! Das ist geradezu genial.
The Al Yankovic Story: Humor aus dem letzten Jahrhundert
Von seinen humoristischen Elementen reiht sich der Film Weird: The Al Yankovic Story ein, in die Reihe der 1980er und 1990er-Comedys. Zündet aber leider nicht ganz. Gegen Klassiker der Comedy, wie zum Beispiel Die nackte Kanone, hat der Film enttäuschenderweise keine Chance. Das liegt auch daran, dass der Klamauk oftmals ein wenig zu sehr übertrieben wird.
Vor allem, was die vereinzelten Gangs betrifft, tut sich der Film recht schwer. Man darf sich fragen, ob diese Form des Humors vorbei ist oder es besser inszeniert werden hätte können. Allein die Gags betrachtet, hat der Film enttäuschenderweise so seine Schwächen. Auch wenn der Schmäh mit der Geschichtsumschreibung ein extrem genialer Twist ist. Vor allem, weil man erst später im Film kapiert, was da genau passiert.
Fazit: die goldene Regel
Doch die komödiantischen Elemente jenseits dieser revolutionären Erzähltechnik schaffen es bedauerlicherweise nicht, uns genauso konsequent zum Lachen zu bringen, wie es vergleichbare Meilensteine der Blödelei, wie der schon erwähnte Klassiker Die nackte Kanone vollbringen.
Es gibt eine goldene Regel. Wenn man während eines Filmes mindestens einmal herzhaft lachen muss, dann ist das eine gute Comedy. Bei Weird: The Al Yankovic Story muss man zwar sehr oft schmunzeln, aber der große Lacher bleibt enttäuschenderweise aus. Lacher, die dieser Ausnahmekünstler vor über zwei Jahrzehnten noch in Form von Salven heraufbeschwören konnte.
Trotz dieser kleinen Durststrecke an berauschenden Gags bleibt Weird: The Al Yankovic Story dennoch ein durchaus sehenswerter Film. Vor allem für eine Netflix and Chill Date Night. Und auch wenn die Schmähs nicht so oft zünden, wie sie sollten, macht es dennoch wirklich sehr viel Spaß, die Lügen im Film zu entdecken und ja, auch auf Entdeckungsreise zu gehen. Weird Als Bio-Pic ist trotz Schwächen ein clever inszeniertes Musical, mit einem sehr überzeugendem Daniel Radcliffe in der Hauptrolle und einer illustren Runde versteckter Gastauftritte. Allemal sehenswert.
Titelbild: Themoviedb.org
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