Ayahuasca, der halluzinogene Trank, der seit Jahrhunderten von Schamanen in Südamerika verwendet wird, gewinnt zunehmend an wissenschaftlichem Interesse. Neue Studien liefern faszinierende Einblicke in die Wirkungsweise dieses psychedelisch wirkenden Pflanzensuds auf das menschliche Gehirn. Besonders das Therapiepotenzial bei psychischen Leiden wird gerade intensiv erforscht.
Die traditionelle Verwendung von Ayahuasca
Seit Jahrhunderten wird Ayahuasca von indigenen Völkern in Südamerika für medizinische und rituelle Zwecke genutzt. Schamanen verwenden den berauschenden Trank, um tiefe Einsichten zu gewinnen, spirituelle Erfahrungen zu machen und Krankheiten zu behandeln.
Wissenschaftlich kann belegt werden, dass seit mindestens 1.000 Jahren Menschen nach jenen veränderten Bewusstseinszuständen suchen, die durch Ayahuasca hervorgerufen werden. Im Jahr 2019 wurde bei einer archäologischen Ausgrabung in einer bolivianischen Höhle eine Ledertasche aus drei Fuchsschnauzen entdeckt. Die Analyse des Inneren der Tasche ergab Spuren von DMT, Kokain, vermutlich aus Coca-Blättern, und anderen psychoaktiven Substanzen.
Die Tasche stammt aus der Zeit von 900 bis 1170 n. Chr. und war in einem Bündel mit einem kleinen Spateln aus Lamaknochen, hölzernen Schnupftabletts und einem bunten Stirnband verpackt.
Der Ayahuasca–Trank wird typischerweise durch das Kochen von Banisteriopsis caapi, einer riesigen Rebe, mit Blättern des Psychotria viridis-Strauchs hergestellt. Sein Name stammt aus der Quechua-Sprache, die von vielen indigenen Gruppen in den Anden gesprochen wird, wobei aya „Seele“, „Vorfahren“ oder „Verstorbene“ bedeutet und wasca „Rebe“ oder „Seil“ bedeutet.
Die Schlüsselsubstanz: Dimethyltryptamin (DMT)
Wissenschaftlich betrachtet wird die halluzinogene Wirkung von Ayahuasca hauptsächlich durch Dimethyltryptamin (DMT) verursacht, das in den Blättern des Psychotria viridis enthalten ist. Zusammen mit der Banisteriopsis caapi Liane wird DMT zu einem Tee gebraut, der starke psychedelische Effekte hervorruft.
Neue Erkenntnisse aus Gehirnscans
Forschende haben nun mittels Gehirnscans detaillierte Einblicke gewonnen, wie DMT das Gehirn genau beeinflusst. Es wurde festgestellt, dass DMT die normalen Netzwerke des Gehirns „stört“ und die Gehirnaktivität auf eine ungewöhnliche und informationsreiche Weise erhöht.
Die Untersuchungen zeigen eine tiefgreifende Vernetzung im gesamten Gehirn, insbesondere in Regionen, die bei komplexen kognitiven Prozessen wie Handlungsplanung, Sprache, Entscheidungsfindung und Imagination eine wichtige Rolle spielen. Die Einnahme von Ayahuasca scheint eine Art Hypervernetzung zwischen verschiedenen Hirnregionen zu verursachen.
Netzwerke des Gehirns weniger unterscheidbar
„Bei der Dosierung, die wir verwenden, ist Dimethyltryptamin unglaublich stark“, erklärt Robin Carhart-Harris, Professor für Neurologie und Psychiatrie an der University of California, San Francisco, dem Guardian gegenüber. „Die Leute beschreiben, dass sie diese Welt verlassen und in eine andere eindringen, die unglaublich eindringlich und reichhaltig komplex ist, manchmal bevölkert von anderen Wesen, von denen sie glauben, dass sie besondere Macht über sie haben, wie Götter.“
Er verdeutlicht weiter, dass das DMT die grundlegenden Netzwerke des Gehirns weniger voneinander unterscheidbar macht. Bei der Auswertung der Hirnscans wird deutlich, dass die Hauptrhythmen des Gehirns – die größtenteils eine hemmende, begrenzende Funktion haben – zusammenbrechen und die Gehirnaktivität entropischer oder informationsreicher wird.
Ayahuasca-Forschung: Die Studie
Für diese Untersuchung wurden 20 gesunde Freiwillige rekrutiert. Diese wurden bei mehreren Besuchen im Labor entweder mit einer 20-Milligramm-Injektion von Dimethyltryptamin oder einem Placebo behandelt. Vor Beginn der Studie wurden alle Teilnehmer*innen gründlich untersucht, um sicherzustellen, dass sie körperlich und psychisch für die Studie geeignet waren. Die Trenddroge ist mittlerweile auch in der Medizin angekommen.
Die Wissenschaftler*innen verwendeten Elektroenzephalografie und funktionelle Magnetresonanztomografie, um die Gehirnaktivität der Teilnehmer*innen vor, während und nach der Wirkung der Substanz zu messen. Während der 20-minütigen Sitzungen gaben die Probanden regelmäßig Auskunft darüber, wie stark sie die halluzinogenen Effekte empfanden.
Therapeutisches Potenzial und zukünftige Forschungsperspektiven
Die aktuellen Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences, bieten eine innovative Darstellung des menschlichen Gehirns unter dem Einfluss von Psychedelika. Sie zeigen, wie die herkömmliche hierarchische Struktur des Gehirns zusammenbricht und die neuronale Verbindung zwischen den verschiedenen Hirnregionen zunimmt.
Chris Timmermann, Leiter der Dimethyltryptamin-Forschungsgruppe am Imperial College London, erläutert: „Je intensiver die Erfahrung war, desto stärker waren diese Verbindungen zwischen den Hirnregionen.“
Psychedelika zur Behandlung von psychischen Krankheiten: ein Fazit
Diese neuen Erkenntnisse verdeutlichen, dass Psychedelika das Hirn kurzfristig dazu befähigen kann, Informationen anders zu verarbeiten. Diese haben das Potenzial, zur Behandlung von Depressionen, Ängsten und Suchterkrankungen verwendet zu werden. Denn durch die Beeinflussung festgefahrener Denkmuster könnten langfristige Veränderungen initiiert, neue Handlungsmöglichkeiten erschlossen und Auswege aus negativen Gedankenspiralen gefunden werden.
Auch andere Drogen wie zum Beispiel LSD, MDMA oder halluzinogene Pilze werden ausgewertet und auf das Potenzial zur Behandlung von Depressionen, Ängsten und Süchten überprüft.
Die vielversprechenden Ergebnisse aus der Forschung weisen auf ein großes therapeutisches Potenzial von Ayahuasca bei der Behandlung psychischer Leiden hin. Zukünftige Studien werden sich darauf konzentrieren, die genauen Mechanismen hinter den heilenden Effekten des Tranks zu verstehen und seine sichere Anwendung zu fördern.
Bilder © Shutterstock
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