Wer kennt das nicht? Man feiert eine gute Party, bis kurzerhand die Polizei aufkreuzt und spätestens beim dritten Besuch Anzeige erstattet, oder die Party auflöst. Im privaten Kontext erscheinen Gesetzeslage und Strafen noch tragbar, im gewerblichen Kontext sieht die Sache jedoch ganz anders aus. ClubbetreiberInnen, sowie VeranstalterInnen sehen sich in Großstädten mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert, die einerseits Kosten explodieren lassen, oder andererseits Events komplett unterbinden.
Jene Schwierigkeiten, die sich vor allem jungen VeranstalterInnen in den Weg stellen, resultieren weltweit meist aus denselben Gründen. Anrainer, die mit ihren Beschwerden auf verschlossene Türen treffen, im letzten Moment ausbleibende Genehmigungen, oder aber auch Änderungen der Sperrstundenregelungen in letzter Sekunde. Hinzu kommen gerade für Newcomer untragbare Mietpreise, oder einfach die fehlenden Kontakte.
Diesen, und vielen weiteren Themen dieser Materie, widmen sich Weltweit immer mehr Communities in Form von Vereinen, oder auch als Teil von Stadtverwaltungen. In Europa spielen dabei vor allem Berlin, Paris, London, Amsterdam und sogar Mannheim Vorreiterrollen in der Vermittlung zwischen Politik, Verwaltung, VeranstalterInnen und Anrainern. Vor mittlerweile zwei Jahren manifestierte sich auch in Wien der Ruf nach einem/einer NachtbürgermeisterIn und rief die Initiative N8BM (Nachtbürgermeister) ins Leben. In einem kurzen Gespräch erklärte mir Initiatorin Martina Brunner worum es dabei eigentlich geht.

Im Vordergrund steht die Vermittlung von Interessen aller Beteiligten des Nachtlebens. In Form von einer Service-Stelle soll eine Anlaufstelle errichtet werden, welche beobachtet, vernetzt und gemeinsam langfristige Lösungen findet. Seien es Hilfestellungen bei Behördenwegen, Förderungen für beispielsweise Lärmschutz, oder einfach Interessensvertretung für zukünftige Gesetzgebung. Besonderer Fokus soll auch darauf gelegt werden, jungen kulturschaffenden die Möglichkeit zu bieten, ihre Events an Orten abhalten zu können, ohne schon im Vorfeld an hohen Preisen und Auflagen zu scheitern. Neben behördlichen Schwierigkeiten und kulturellem Wert von Subkulturen spielt natürlich auch der wirtschaftliche Aspekt eine tragende Rolle. Das wichtigste ist allerdings die Ausgewogenheit all dieser Bereiche. Und genau da herrscht in Wien noch viel Handlungsbedarf.
Gespräche mit politischen Vertretern laufen bereits. Sowohl NEOS als auch die Grünen signalisieren schon seit einiger Zeit ihre Unterstützung an der Forderung nach einer/einem NachtbürgermeisterIn. Eines ist allerdings sicher, den Namen “Nachtbürgermeister” wird diese Stelle leider nicht tragen. Nun liegt es daran grundsätzliche Fragen wie die Finanzierung zu klären, sowie Expertise durch internationale Vernetzung und von heimischen Stakeholdern des Nachtlebens zu sammeln. Mit Sicherheit kann man jedoch sagen: Es bewegt sich was!
Vor allem jetzt! Am 06.06.2019 startete Nachtbürgermeister Wien die Petition zur Etablierung ebendieser Service-Stelle, die Persönlich vor Ort, oder per Handysignatur bzw. Bürgerkarte unterstützt werden kann.
Wenn euer Interesse zum Thema geweckt wurde, seid ihr herzlich eingeladen an den regelmäßigen Events und Diskussionen der Initiative N8BM teilzunehmen. Nächsten Dienstag diskutieren bei der zweiten N8BM Podiumsdiskussion ExpertInnen darüber, wie in einer Stadt Freiflächen geschaffen werden können, die möglichst unbürokratisch und nicht kommerziell genutzt werden sollen. Habt ihr auch Ideen zu diesem Thema, oder wollt euch einfach mal Informieren? Dann kommt vorbei!
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