FIXED: Die neue refurbed-Doku zeigt, was mit unserem alten Tech wirklich passiert
Neues Smartphone hier, neuer Laptop da, dazu noch ein paar alte Kabel in der berühmten „Technik-Schublade“. Willkommen im Alltag von 2026. Wir kaufen mehr Elektronik als je zuvor – aber was passiert eigentlich mit unseren Geräten, wenn wir sie nicht mehr brauchen? Genau dieser Frage geht „FIXED – Accra’s Answer to Europe’s E-Waste“ nach – die neue Dokumentation von refurbed, die Anfang Juni in Wien Premiere gefeiert hat. Der Film wirft einen Blick hinter die Kulissen unseres Technologie-Konsums und zeigt, warum das Thema Elektroschrott viel komplexer ist, als viele denken.
Wer oder was ist eigentlich refurbed?
Falls euch der Name noch nichts sagt: refurbed ist ein in Wien gegründetes Unternehmen und mittlerweile einer der bekanntesten Marktplätze für refurbished Elektronik in Europa. Statt neue Geräte zu verkaufen, setzt das Unternehmen auf professionell erneuerte Smartphones, Laptops, Tablets und Co., die technisch überprüft, aufbereitet und wieder in den Kreislauf gebracht werden. Das Ziel: Elektronik länger nutzbar machen, Ressourcen schonen und unnötigen Elektroschrott vermeiden.
Mit FIXED geht refurbed jetzt einen Schritt weiter und widmet sich dem Thema nicht nur als Unternehmen, sondern auch aus dokumentarischer Perspektive.
Der Elektroschrott-Mythos
Wenn über Elektroschrott gesprochen wird, fallen oft dieselben Bilder: riesige Müllberge, kaputte Geräte und Umweltkatastrophen irgendwo auf der anderen Seite der Welt.
Für die Dreharbeiten reiste das Team von refurbed gemeinsam mit europäischen Journalist:innen nach Accra in Ghana. Im Fokus stand dabei die Region rund um das ehemalige Agbogbloshie-Gelände, das jahrelang als einer der größten E-Waste-Hotspots der Welt bekannt war. Vor Ort wurde allerdings schnell klar: Die Realität ist deutlich komplexer als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Wo andere Müll sehen, sehen manche Potenzial
Das Spannende an der Doku: Sie erzählt nicht nur von Problemen, sondern vor allem von Menschen. In Accra gibt es eine starke Reparatur- und Wiederverwendungskultur. Geräte, die bei uns oft schon längst ersetzt worden wären, werden dort repariert, weiterverwendet oder in ihre Einzelteile zerlegt, um wertvolle Materialien zurückzugewinnen.
Mit begrenzten Mitteln, aber beeindruckendem Know-how entstehen Lösungen, die zeigen, dass Nachhaltigkeit oft viel praktischer aussieht als große Marketingkampagnen. Oder anders gesagt: Für viele Menschen dort ist ein kaputtes Gerät nicht das Ende seiner Geschichte.
Das eigentliche Problem? Unser Umgang mit Technik
FIXED macht deutlich, dass die E-Waste-Krise nicht erst dort beginnt, wo Geräte landen – sondern dort, wo sie gekauft werden.
Die Doku beleuchtet unter anderem:
- immer kürzere Produktzyklen
- Geräte, die sich kaum reparieren lassen
- den weltweiten Boom bei Elektronik
- Schwachstellen im internationalen Handel
- fehlende Kreislaufsysteme für Wiederverwertung
Und plötzlich stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Warum tauschen wir funktionierende Geräte eigentlich so oft aus?
Warum das auch uns betrifft
Auch wenn die Story in Ghana spielt, hat sie viel mit unserem Alltag zu tun. Jedes Handy-Upgrade, jeder neue Laptop und jede spontane Technik-Anschaffung hat Auswirkungen, die weit über Europa hinausreichen.
FIXED zeigt, dass Themen wie Reparatur, Refurbishment und Wiederverwendung längst keine Nischenthemen mehr sind. Wer über Nachhaltigkeit spricht, kommt an der Frage, wie lange wir unsere Geräte tatsächlich nutzen, kaum vorbei.
WARDA Fazit
Mit FIXED liefert refurbed keine klassische Umwelt-Doku mit erhobenem Zeigefinger, sondern einen spannenden Perspektivenwechsel auf eines der größten Umweltthemen unserer Zeit.
Der Film verbindet globale Zusammenhänge mit persönlichen Geschichten, räumt mit einigen Vorurteilen rund um Elektroschrott auf und zeigt, dass die Lösung oft nicht in immer neuen Geräten liegt – sondern darin, bestehende länger zu nutzen.
Eine sehenswerte Doku für alle, die sich schon einmal gefragt haben, was nach dem nächsten Smartphone-Upgrade eigentlich mit dem alten Gerät passiert.
Titelbild © FIXED
DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Familie Gucci: Intrigen, Mord und hollywoodreife Geschichte
Gucci – blickt man hinter die Fassaden des millionenschweren Modegeschäftes, dem Glamour und den Fashionshows entdeckt man eine dysfunktionale Familie, […]
Trotz: das neue Buch der Skandalautorin Ronja von Rönne
Mit ihrem Essay Trotz legt Skandalautorin Ronja von Rönne einen gelungenen philosophischen Versuch vor, der recht lustig zu lesen ist.
Mariahilf, nur du - Warum ich im geilsten Bezirk der Stadt lebe
In Zeiten schwerer Identifikationskrisen und 5- Sterne- Bewertungen scheint es wichtiger denn je zu sein, in welchem Bezirk du daheim bist. Ich war lange auf der Suche nach dem Stadtteil, in dem ich mich wirklich wohlfühle.
Wenn Rechtsräume kollidieren: Trans-Gesetz, TERFs, Toilettenfrage und Frauenräume
Zwischen einer Gesetzesänderung für Transsexuelle in Spanien und der Veröffentlichung eines Videos kommt es zu einer großen Debatte diverser feministischer […]
Reden wir mal Tacheles - warum der Weltfrauentag bitter notwendig ist
Heute ist es wieder mal soweit – internationaler Weltfrauentag. Schon wieder. Ist der wirklich nötig? Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert, Frauen sind emanzipiert und gleichberechtigt – naja, fast – und wählen dürfen sie auch schon. Und das bisschen Unterschied im Gehalt, was macht das schon? Ich bin überzeugt, dass nicht wenige Menschen so darüber denken. Und das ist einfach falsch. Ja, wir leben im 21. Jahrhundert, aber von einer gerechten Welt in Bezug auf Frauenthemen sind wir noch weit entfernt. Ein paar Beispiele gefällig? Bitte sehr:
Wie man im Internet mit Rabatten und Cashback sparen kann
Einkäufe im Internet werden immer bequemer und kundenfreundlicher. Anders als vor 20 Jahren, gibt es heute so gut wie nichts, […]







