Die Ausnahmeserie Beef auf Netflix erzählt die Geschichte zweier Menschen, die aufgrund einer Lappalie zu Erzfeinden werden und sich bis zum bitteren Ende hin bekämpfen. Mit viel schwarzem Humor und fein ausgearbeiteten Hintergründen ist Beef eine der besten Netflix Serien seit langem.
Vergeltung aus dem Nichts oder die eigentliche Nichtigkeit
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es in einem Gedicht von Hermann Hesse. Dieses wird oft herangezogen, um die magische und romantische Verklärung einer ersten Begegnung zu umschreiben. Alles andere als unter einem lieblichen Zauber steht jedoch die Begegnung von Danny (Steven Yeun) und Amy (Ali Wong) in der Netflix Serie Beef.
Ihr Zusammentreffen wird umrahmt von einer eigentlichen Nichtigkeit. Nur eigentlich nichtig, wenn man ein normaler Mensch ist bzw. wenn zumindest einer der beiden normal wäre. Über das, was normal ist, werden wir später noch sprechen müssen. Wie dem auch sei: Auf einem Parkplatz geraten der Streithahn und die Streithenne aneinander. Der Grund? Der Klassiker: die Vorfahrt.
Anstatt es jedoch einfach dabei zu belassen, entwickelt sich eine irrwitzige Verfolgungsjagd, bei der es schon lange nicht mehr um Schuld oder Unschuld geht. Obwohl am Parkplatz eigentlich gar nichts passiert ist, kein Unfall, kein Schaden, ja praktisch nichts, reicht dieses „Ereignis“ vollkommen aus, um zwei scheiternde, frustrierte, ihren Hass zu langen unterdrückenden Menschen sich bis aufs Blut jagend zu lassen.
Netflix Beef: blinde Wut und kopflose Rache
Was langsam beginnt, nimmt schnell, extrem und gefährlich Fahrt auf, steigert sich unerbittlich weiter, schraubt sich hoch, in den Irrsinn unkontrollierter Wut und endet bzw. beginnt mit einem Rachefeldzug der der jedwede Logik und Ratio vermissen lässt. Wobei die beiden Wahnsinnigen in ihren Vergeltungsschlägen erstaunlich kalkuliert vorgehen.
Doch der Schlagabtausch zwischen Amy und Danny ist nur der lange schon überfällige Zündstoff, der verdrängten Groll und Frust endlich nach oben bzw. nach außen explodieren lässt. Rache ist eine Triebfeder, welche die Handlung fast jedes Films oder jeder Serie an irgendeinem Punkt vorantreibt. Sie ist das stille Mittel der Erzählung, das eigentlich zu oft herangezogen wird. Über die näheren Umstände dieser Wut wird jedoch selten jemals reflektiert. Wut wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Dass man Wut positiv nutzen kann, wird dabei nie reflektiert.

© Andrew Cooper/Netflix © 2023
Netlifx Beef und das Gesetz der Wut
Beef, auch wenn es sich auch dort hauptsächlich um diese Wut dreht, ist anders. Und das ist sehr erfrischend. Ja, der Wahnsinn scheint kein Ende zu nehmen, doch ist die Wut hier nur Katalysator und nicht Mittel zum Zweck. Denn Beef operiert im Grunde recht geschickt als Bestandsaufnahme einer Gesellschaft, die sehr schnell wütend wird, diese Wut jedoch niemals reflektiert.
Amy und Danny hetzen sich bis aufs Blut, erbarmungslos wie Clint Eastwood in den 1960er, 1970er, 1980er… WTF! Wie Clint Eastwood eigentlich immer schon seine Beute gehetzt hat.
Doch in Beef wird schnell klar, dass der jeweils andere nur ein Mittel ist, die eigentliche Unzufriedenheit, den Frust über das eigene Versagen endlich ausleben zu können. Denn mehr als um die Vergeltungsschläge, die immer absurder werden, entführt uns der Film in das Leben zweier Menschen aus unterschiedlichen Klassen, die mit ihren Lebensumständen einfach nicht mehr zurechtkommen.
Scheitern an den Normen und der stille Frust
Danny ist Koreaner und versucht eigentlich nur den Wunsch seiner Eltern zu erfüllen. Erfolgreich werden, Heiraten (natürlich nur eine Koreanerin), Kinder bekommen und ein Haus bauen, wo dann auch die Eltern drin wohnen können. Ein Traditionswahn, unter dem Danny leidet wie nur was, denn keinen der Punkte hat er bis jetzt erfüllen können.
Ganz im Gegenteil, als selbstständiger Kemptner hält er sich mehr schlecht als Recht über Wasser. Bei seinem Hass auf Amy geht es im Grunde nie um Amy selbst. Diese ist nur Projektionsfläche für die Frustration über sein eigenes Versagen. Die konstruierte Enttäuschung über ein Leben, dass im Grunde nicht so schlecht sein müsste.

© Andrew Cooper/Netflix © 2023
Netflix Beef: das unstillbare Verlangen nach mehr
Und Amy? Sie ist eigentlich erfolgreich. Hat ein schönes Haus, Ehemann, Kind und Karriere – alles, was Danny gerne hätte, aber eben nicht hat. Dennoch ist sie unzufrieden, will mehr und mehr. Mehr und mehr Karriere, wohlgemerkt. Die Familie hat dabei immer mehr da Nachsehen. Auch sie leidet unter den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, wie bei Danny hauptsächlich von ihr selbst. Auch Amy zerbricht. Anstatt jedoch einfach die Strukturen zu verändern und das Leben zu genießen
Fazit
Das Wunderbare an Beef ist diese Mehrschichtigkeit aber auch Komplexität. Anstatt blind der Wut zu frönen taucht die Serie tief hinein, in das Leben zweier Menschen, deren Probleme offensichtlich sind. Der Frust darüber aber dennoch so plump wie man es eben kennt, auf andere Menschen projiziert wird.
Eines der definitiven Highlights der Netflix Serie Beef, sind natürlich die Schauspier*innen. Allem voran die beiden Leads. Ami Wong, die eigentlich ein gefeierter Comedian ist, spielt mit ihrer Mimik alles an die Wand, ihr eindringliches Spiel gibt uns den nötigen Rest. Steven Yeun (bekannt aus The Wlaking Dead) läuft schauspielerisch zur Höchstform auf. Selten wird das Leiden an einer antiquierten Tradition und der Unterwerfung durch eine gesellschaftliche Klasse so wunderbar eindringlich dargestellt.
Um ehrlich zu sein, ist der Rest eigentlich gar nicht so außergewöhnlich. Dennoch ist Beef eine gelungene Serie, die man gesehen haben sollte. By the way: eignet sich auch wunderbar für ein Netflix and Chill Date oder eine ganze Serie davon.
Titelbild: Andrew Cooper/Netflix © 2023
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